Logo Schauplatz International





Pressearchiv
Extras
Who is
Schauplatz International ?
Chronologie der Arbeiten

shopping
Startseite
kontakt
Links




King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation







INDEX:

King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation - Château Europe II
King Kong on the bloody coasts of civilisation - Château Europe II
Dialoge
Flyertext
Weitere Fotos zum Stück

Presse









King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation - Château Europe II

Die Künstlergruppe Schauplatz International reist im Januar 2005 an die Südküste Spaniens, an die Costa del Sol, mit der Absicht dort ein Remake des Filmes "King Kong" zu drehen. Die Dreharbeiten sollen an spannenden Locations stattfinden, zum Beispiel an den Stränden, die sowohl von reichen westlichen Urlaubern wie auch von den Flüchtlingen aus dem nahe gelegenen afrikanischen Kontinent frequentiert werden. Aber auch die Wüste im Hinterland interessiert sie, mit ihren Geisterstädten aus Filmkulissen von Italowestern. Diesen Ort möchte sich die Gruppe natürlich nicht entgehen lassen und wenn möglich in ihren Film einbauen. Die Künstlergruppe ist vom Exotikpotenzial dieser Gegend beeindruckt und sieht in den Szenen des "King Kong" - Films eine ideale übersetzung für das Thema der Angst vor dem Fremden. Darüber hinaus befindet sich die Künstlergruppe in einer ähnlichen Lage wie das Filmteam im Film. Auch sie weiss noch nicht genau, was sie vor Ort antreffen und mit welchen erschreckenden Tatsachen sie konfrontiert wird, auch ihr Projekt ist nur teilweise finanziert und ist stark vom schlussendlichen Erfolg abhängig. Denn sogar für die produzierende Filmgesellschaft (RKO Radio Pictures) war King Kong 1932 ein schicksalsträchtiges Spekulationsobjekt.

Wie das Filmteam von "King Kong" ist die Künstlergruppe aber überzeugt, dass schon der Ort an sich genug Material liefern wird, um einen spannungsreichen Film zu drehen. So reist die Gruppe mit gemischten Gefühlen an den Drehort: Voller Vorfreude und mit einer guten Portion Angst vor dem Unbekannten, wozu sich ausserdem das Bewusstsein hinzugesellt, dass sie als Künstler eigentlich Nutzniesser einer prekären politischen Situation sind.
Schauplatz International ist, wie Denham, bekannt für seine gesellschaftspolitischen Arbeiten. 2004 hat Schauplatz International eine Arbeit über Migration gemacht. Die hat Anklang gefunden. Wie Denham, hat die Gruppe nun wieder eine Karte gefunden, einen Stoff, der Erfolg verspricht. King Kong und die Costa del Sol, eine Insel, im übertragenen Sinn, mit allen Zutaten, die das kritische Publikum verlangt:

Die Küste Andalusiens ist internationaler Schauplatz verschiedener Konflikte, die für die Identität Europas als konstitutiv angesehen werden können. Sie dient Schauplatz International als Location und Hintergrund. Im Folgenden eine Aufzählung:
1. Die Südküste Spaniens ist die Aussengrenze der Festung Europa. Beinahe täglich setzen Menschen über das Mittelmeer und versuchen zwischen Almeria und Tarifa zu landen. Wie viele dabei auf der Strecke bleiben, ist nicht bekannt. Gerechnet wird mit etwa tausend Flüchtlingen, die jährlich vor der Küste ihr Leben verlieren.
2. Die Gegend von Almeria ist die wichtigste Obst- und Gemüseanbau Region Spaniens. Auf Gewächshausplantagen wird dort unter intensiver Bewässerung mehrmals jährlich geerntet, was Europas Obst- und Gemüsevorsorgung ist. Die Arbeit auf diesen Plantagen verrichten zum grössten Teil jene Flüchtlinge, die zuvor ihr Leben riskiert haben, um Europa zu erreichen. Sie arbeiten unter miserablen Bedingungen und in der Illegalität.
3. Die Costa del Sol ist aber auch Ziel einer umgekehrten, binneneuropäischen Migration. Nicht nur, dass jedes Jahr Millionen Touristen die Strände der Region besuchen, viele lassen sich ganz hier nieder und bilden regelrechte Kolonien. Der Tourismus ist der tragende Wirtschaftsfaktor Andalusiens und hat dem einstigen Armenhaus Europas einigen Wohlstand beschert.
4. Unweit von Almeria befindet sich die einzige Wüste Zentraleuropas. Hier in "Mini - Hollywood" wurden die als Spaghettiwestern bekannten, europäischen Westernfilme gedreht. U.a. "Für eine Handvoll Dollar", "Il Buono, il brutto, il cativo" "Spiel mir das Lied vom Tod" von Sergio Leone und "Leichen pflastern seinen Weg" von Sergi Corbucci dem Regisseur der Django Filme. Sie fungierten für die Vereinigten Staaten als veritable Gründungsmythen. Mit der Europäisierung der Produktion setzte auch eine inhaltliche Veränderung hin zur Selbstreflexion des Genres ein, gepaart mit scharfer Kapitalismuskritik, was in den USA wiederum für Kritik und Unverständnis sorgte. "Mini - Hollywood" war nichts anderes eine Bedeutungsfabrik, in der Werte aus übersee verwendet, angepasst und dann zurückgeschickt wurden. Heute sind diese Kulissendörfer Themenparks.
5. Andalusien war die letzte Bastion der Mauren in Europa. Sie hatten im mittelalterlichen Spanien eine Hochkultur aufgebaut, die jenen Werten, die heute als abendländisch gelten weit mehr Beachtung schenkten, als der übrige Kontinent. Spaniens Fremdenverkehrsverbände tragen nun das glanzvolle Erbe dieser Moros und ihr Symbol, die Alhambra in Granada, als Touristenattraktion zu Markte. Heute sind die Moros wieder Feinde: In El Ejido, nahe Almeria, kam es 2000 zu gewalttätigen Konflikten zwischen Spaniern und Nordafrikanern.
6. Die christliche Rückeroberung Spaniens, die Reconquista, dauerte mehrere Jahrhunderte. Die mythische Heldenfigur dieser Zeit ist der Cid, dem Pierre Corneille mit seinem Stück Le Cid ein Denkmal gesetzt hat. Dieser Cid Corneilles ist das prototypisch rationale Subjekt der Moderne, der Held der abendländischen Kultur schlechthin.
7. Das Stück führte in Frankreich zur "Querelle du Cid", einem Streit über die korrekte Fabrikationsweise eines Dramas. Dieser Streit war konstitutiv für die französische Klassik, mithin der normativen Festlegung von Theaterformen als Mittel der Abbildung von Wirklichkeit.
8. Die nach der Reconquista erfolgte Landvergabe unter den Siegern führte in Andalusien zu ausgeprägtem Grossgrundbesitz. Die daraus resultierenden Probleme waren noch im 20. Jahrhundert dermassen zu spüren, dass die ansässige Landbevölkerung zum Mittel der Selbstorganisation griff. Der Anarchismus hatte in den 30er Jahren einen festen Stand in Andalusien. Bis die Reaktion das Land unterwarf. Ihr Führer, Franco, nahm den gleichen Weg, wie heute jene, die wieder unter Grossgrundbesitz leiden und als Landarbeiter ausgebeutet werden - er kam aus Marokko.

Von und mit: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer

top

King Kong on the bloody coasts of civilisation - Château Europe II



The artist - group Schauplatz International travels in january 2005 to the southcoast of Spain, to the Costa Del Sol, with the intention to shoot a remake of the film "King Kong". The Shooting should take place on thrilling locations, for example at beaches, that are frequented on the one hand of rich western holiday -makers on the other hand of the refugees from the near african continent.

The andalusian coast is an international spot of various conflicts, that are constitutional for european identity. For Schauplatz International this coast serves as a teriffic location and background.
In the following a list:
1. The southcoast of spain is the boundary rampart of the "Fortress Europe". Almost daily people take across the Mediterranean sea and try to land between Almeria and Tarifa. We don't know how many drop out. One reckons on about 1000 killed refugees a year.
2. The surroundings of Almeria are the most important cultivable areas for vegetables and fruits in spain. In the so called "Invernaderos", "winter gardens" the repeated harvest, which comes to the main of europes vegetable production, the refugees, which risked their lifes are working and living there under miserable conditions and in illegality.
3. The Costa del Sol is on the other hand a destination for a reversed innereuropean migration. Not only that millions of tourists visit the beaches of the region, many settle there and build real colonies. Tourism is, together with the exploitation in the invernaderos, the most important economic factor in that region and granted the former poorhouse quite some prosperity.
4. Near Almeria there is the only desert in central europe. Here in "Mini-Hollywood" many spaghetti-westerns, european westerns like Sergio Leones Per un pugno di dollari, Once Upon a Time in the West, or The Good, the Bad and the Ugly were realized in there.
In the consequence the genre got as regards content a semantic change towards self-critisism and a critisism of capitalism and this led to a lack of appreciation in the USA. "Mini-Hollywood" was a factory of meaning in which values from the north-american society got utilized, adapted, conformed and send back... Today these scenery-villages are touristattractions.
5. Andalusia was the last bastion of the Moor in Europe. In the Middle Ages they build up a very advanced civilisation, that paid much more attention of those values that appear nowadays as occidental values, than the rest of the continent. Today the tourist associations sell this brilliant and glittering inheritance of the "Moros" and their symbol, the Alhambra in Grannada as a tourist attraction. Today the "Moros" are ennemies again: In El Ejido, near Almeria, it was getting to the point that violent conflicts happened between spanish and north-african people.
6. The christian Reconquest, the Reconquista lasted several centuries. the mythic Hero of that time was the "Cid". In the piece "Le Cid", Corneille put a memorial to him. Corneille's Cid is the prototypical rational subject of the modern age, the Hero is the epitome of occidental culture.
7. In France the piece leaded to the "Querelle du Cid", a dispute about the correct production of a drama. This dispute was constitutive for the french classic, the normative fixing of theatreforms as a means of depiction of reality.
8. the land assignment after the Reconquista among the victors leaded to a pronounced large scale land-holding in Andalusia. In teh 20th century the resulting problems were such that the population resort to the means of Self organisation. Anarchism was strongly embedded in andulusian society in the 30ies. Until the reaction subjugated the country. Thel eader of this subjugation, Franco, took the same way over the Mediterranean Sea as those, who suffer large scale land-holding today and who are exploited as agricultural workers - he came from marocco.
from and with: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer


top

Dialoge

Lange bevor Peter Jackson seine Neuverfilmung von "King Kong" herausbrachte, haben wir, die freie Theatergruppe Schauplatz International, uns aufgemacht, eine wirklich zeitgemässe Adaption des Klassikers vorzulegen. Dabei drehen wir den Fokus um und richten ihn nicht auf den Affen, sondern auf jene, die sich von ihm faszinieren lassen und ihn gleichzeitig fürchten. Ausschnitte aus dem Drehbuch von "King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation".


Im Bungalow

A: Also, wir diskutieren schon hier drin, oder?
M: Also das ist ja unser Thema, wie wir Integra... äh, Migration, wie wir das einfangen.
AL: Unter anderem. Wir gehen hier ja nicht die Migration einfangen, sondern wir gehen eigentlich hier, vor dieser Kulisse den Film spielen.
A: Eine Adaption von Kong! Wir sind die Künstlergruppe. Das ist der Plot, den hast du selber geschrieben! Der Plot ist, eine Künstlergruppe sagt: Uh cool, wir nehmen King Kong, wir nehmen die Costa del Sol und schauen, wie alles zusammen kommt. Also, die Gewächshäuser zum Beispiel, da wo wir jetzt herkommen, wir fressen diese Tomaten, die die hier machen und die brauchen ja die illegale Immigration, damit das überhaupt alles finanzierbar ist.
AL: Oder die Touristen, die hier runterkommen, die europäische Binnenmigration. Die kommen ja zur Erholung her.
L: Die andern ja auch irgendwie. Und so weiter.
M: Genau, so kommt alles zusammen.


Nachts am Strand

L: Hättest du jetzt Schiss, wenn jetzt so Stimmen kämen?
M: Ja.
L: Aus dem Meer.
M: Ja.
L: Du würdest denken, das seien Migranten.
A: Wir finden es einfach geil, nachts mit der Taschenlampe hier am Strand...
L: Das ist schon klar.
A: ...zu schauen: Huhu, wie das schaurig ist: Und vielleicht kommt die Guarda Civil. Und jetzt kommt sie vermutlich wirklich, ich schalte aus.
L: Wir können doch hier filmen so lange wir wollen. Ob wir King Kong machen oder nicht.
A: Ja aber du musst dich ausweisen können.
L: Ja aber da kann ich sagen...
A: Schau, jetzt bremst er und biegt zu uns ab.
L: Ihr habt so Schiss.
A: Ja ehm, gehen wir wieder?
M: Ja.


Am Strand

AL: Super, schau mal. Hast du die gesehen dort hinten?
L: Schau mal. Was ist das denn?
M: Ganz ein...
AL: Keine Ahnung.
M: ...farbiger...
AL: Was ist das?
M: Sonnenschirm.
A: Ich glaube es ist, es sind keine Flüchtlinge auf jeden Fall.
L: Das sind keine Flüchtlinge.
A: Aber es ist farbig.
M: Dort hinten verkleiden sie so ehm, verkaufen sie so
AL: Wen wen wen meinst du...
M: Kleider.
AL: ...jetzt?
L: Ja, die die vor uns sitzt die ganze Zeit.
AL: Können wir nicht ein bisschen näher hin?
A: Nein, komm pass auf.
AL: Ou schau, schau, scheisse, jetzt hat einer gewinkt.
L: Sie haben uns entdeckt.
AL: Scheisse. Ich glaub, das ist nicht so gut, komm wir gehen eher wieder zurück.
A: Sag mal, warum spielst du eigentlich so schlecht?
AL: Ja, also gut, dann können wir's gleich nochmal machen.
A: Nein, es ist wirklich unglaublich.
M: Aber Flüchtlinge hat's jetzt hier keine, oder?
A: Eben, darum müssen wir das nehmen, was wir jetzt sehen.
M: Ja.
A: Das ist doch immer noch der Dialog.
L: Was ist denn jetzt nicht so gewesen.
A: Der Dialog ist rauskommen und sagen: Ok, es sind keine Flüchtlinge, aber es ist exotisch, wir nehmen's trotzdem. Ich muss doch jetzt nicht spielen: Oooohhh...
L: Hier stinkt's sehr nach Geschissenem.
A: ..ooohhh, schau mal dort hinten, ich mein, ich spiele doch nicht so einen Scheiss.
AL: Also, wir machen's nochmal.


Im Bungalow

A: Das ist einfach konkret. Wenn wir filmen und es ist so ein wild gewordener Marokkaner, der Angst hat, wenn er gefilmt wird, dass er ausgewiesen wird, das ich ihm sage: Hey, wir, das ist ein Projekt, in dem's eigentlich um meine Angst geht und du musst keine Angst haben, du bist nicht im Bild. Oder, es ist King Kong. Kong seid ihr -gut, das ist vielleicht schon ein heikler Punkt.
M: Ja, genau.
A: Aber King Kong ist eine Inspiration für uns, oder? Wir machen jetzt nicht eine Bühnenadaption von King Kong.
AL: Also ich weiss nicht. Irgendwie...
M: Es geht um unsere Angst. Wirklich nur darum. Wie im Film.
A: Ja.


An der Küste

A: Schau mal, ein Schuh! Ich habe einen Schuh gefunden!


In den Gewächshäusern

AL: Das ist toll.
A: Sehr schön.
AL: Das ist sehr schön. Hier machen wir's.
A: Wir fesseln dich hier an diesen Zaun. Die weisse Frau.
AL: Ja, würd ich.
L: Wenn uns jemand fragt, dann sag ich, wir suchen den Campingplatz am Meer.
A: Ok, das ist gut. Genau.
M: Du, hast du denn jetzt Angst?
L: Ja, kommt vielleicht jetzt dann gleich, meine Angst.
A: Ist gut?
AL: Soll ich schreien?
A: Ja, du kannst schreien.
A: Dann machen wir einen Gang um sie rum vielleicht. Das wäre geil.


Im Bungalow

M: Könnten wir's nicht so machen? Wir haben doch jetzt immer überlegt, was die weisse Frau ist, oder? Jetzt habe ich gerade in der griechischen Mythologie gelesen, wegen dieser Personifikation von Europa.
AL: Mhm.
M: Das können wir doch übernehmen.
AL: Ah?
M: Also wenn man so diese Anziehung von Zeus zum Beispiel für Europa
AL. Mhm.
M: Ist ja wie die Anziehung von Kong für Europa. Und die Eingeborenen im Film opfern ja die Eingeborenen, oder gut, sagen wir die Menschen, nein, ehm, die Werte, die Werte von Europa werden hier geopfert von den Eingeborenen
AL: Mhm, mhm.
M: Wie im Film halt. Also, die weisse Frau, das ist Europa.


An der Küste

AL: Oh nein, schau mal. Ein Plastiksack, der zugeklebt ist. Shit. Da haben sie sicher die neuen Kleider drin gehabt. Da ist eine Art Schlafsack.
M: Ja.
AL: Oh Nein, das ist jetzt aber im Fall recht unverkennbar.
M: Ja.
AL: Nein, schau mal. Horror.
AL: Es hat total viele dort hinten.
L: Ja?
AL: Ja.
L: Geil.
AL: Ja geil, haha.


Im Bungalow

M: Schlimm, im Fall, es ist sehr schlimm.
A: Ja?
M: Wir haben ganz viele Kleider gefunden. Und so Rastplätze, wo sie geschlafen haben.
A: Im Ernst.
M: Ja.
AL: Aber diese Kleider sind echt bedrückend.
M: Es hat so einen Sack gehabt, einen Plastiksack, der noch so halb zugeklebt war, wo wahrscheinlich die andern Kleider drin waren. So Jeans und Hemden, die so zerknittert ausgesehen haben, wie wenn sie nass gewesen wären. Schlimm.
A: Mir geht es gar nicht darum, das zu sehen. Ich hab's vorher schon geglaubt.
AL: Aber es gibt einem gewisse Informationen, die man vorher nicht gehabt hat, wenn man es nicht gesehen hat.
A: Das wird dir doch in jedem Bericht so geschildert, dass sie an Land kommen und ihre Kleider ausziehen. Nein, ich meine, das ist so eine Aufladung, die du jetzt vornimmst irgendwie, dass du dich in diese Leute rein versetzt.
L: Ja aber, die Aufladung, die brauchen wir natürlich jetzt auch...
A: Ja, ich brauche sie halt einfach nicht.
L: Nein, aber die, die uns dann zuschauen, die brauchen das. Die brauchen diese Aufladung.
A: Ja, das sind aber armi Sieche, oder, eigentlich.
L: Aber das ist doch egal. Wir müssen einfach eine geile Arbeit machen.


Am Flughafen

L: Was heisst: Mir ist nicht wohl?
AL: Ich habe mir überlegt, ob ich überhaupt nicht mitmachen soll. Ich find's schon ein Problem. Wir sind totale Nutzniesser dieser Situation, dass es denen einfach schlecht geht. Die werden eh schon ausgebeutet und wir beuten die Situation noch einmal aus, indem wir diese Bilder holen gegangen sind und dann zeigen wir's dort oben irgendeinem Superschicki - Publikum, wo auch immer, irgendwie und das ist in einer superbequemen Situation und kann sich so etwas anschauen und ändern tut sich eh nichts.
L: Ja, da musst du gar nicht anfangen, weißt du. Das kann man überall sagen.
AL: Das kann man nicht überall sagen, überhaupt nicht. Es kommt ganz darauf an, was man für ein Thema aufgreift. Und wenn man so ein heikles Thema aufgreift, das...
A: Wie willst du denn dein Geld verdienen?
L: Was ist heikel an dem Thema? Ich habe versucht, mich auseinander zu setzen mit dieser Situation hier unten. Und ich, ich habe ein scheiss Problem damit, dass wir kein Ahnung haben davon, was wirklich abgeht hier unten. Wir sind zehn Tage hier unten gewesen und hocken im Bungalow, wir reden wahnsinnig viel und haben keine Ahnung, was eigentlich abgeht. Es geht überhaupt nicht um das Leid von diesen Leuten. überhaupt nicht. Wir haben keinen einzigen von denen drauf. Keinen einzigen.
A: Aber du wohnst auch in Berlin und hast keinen Schimmer, was in Berlin läuft, oder?
L: Ich habe...
A: Wie lange lebst du schon in Berlin?
L: Ich weiss ganz genau, was dort los ist.
A: Ach, du hast doch keine Ahnung, komm.
L: Ich weiss in meinem Bereich genau, was los ist.
A: Ah, ja.
L: Und ich weiss auch, wenn ich das wollte...
A: Könnte ich jetzt nicht behaupten.
L: Könnte ich das auch recherchieren.
M: Aber dass wir Gewinn aus der Misere von anderen ziehen...
A: Das habe ich dir versucht zu erklären vorhin.
M: ...das ist das Problem. Das geht mir auch so. Ich merke, wie dekadent das ist, hin und zurück zu fliegen, für zehn Tage...
A: Zwölf
M: ...oder für zwölf Tage. Ich bin ziemlich froh darüber, dass mich das so anscheisst, hier runter zu fliegen und jetzt wieder zurück.
A: Aber hör mal zu, ich habe auch langsam Schwierigkeiten, mit diesem Argument. Jeder von uns hat ein Dach über dem Kopf. Was soll ich? Soll ich mich ständig mit mir auseinandersetzen? Das ist ein Totschlägerargument: Wir dürfen von dieser Misere nicht profitieren. Dann können wir nichts machen. über was kannst du dich dann...
AL: Nein, nein nein nein.
A: Dann kannst du dich über Segeln, über Segeln kannst du dich dann unterhalten. Was soll man machen? Du kannst so ein scheiss Theaterstück, ich weiss es nicht, du kennst mehr Theaterstücke, das kannst du dann machen.



Anmerkung: Der Film war sehr günstig, ca. 3000 CHF. Wir flogen mit Easy Jet bzw. Air Berlin nach Alicante dann Mietwagen Ford Focus C-Max, toller Wagen in den Kurven, aber ein wenig zu klein. Wir hatten eine Praktikantin, die umsonst filmte. Premiere war an den Kammerspielen in München (Etat: 40 Mio. Euro) an der Maximilianstrasse, links Prada, rechts Hermes, oder umgekehrt. Handtasche 4000.- Euro. Wir waren aber nur auf der Hinterbühne. Baumbauer, der Chef, hat uns als erster als Kollektiv bezeichnet, es stand in der Theaterzeitung. Egal. Film aus dem Spielplan gestrichen, schade.

top

Flyertext


von und mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Corina Schwingruber. In Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen, eingeladen ans Festival Belluard Bollwerk International, Fribourg.

Die Küste Andalusiens ist Schauplatz verschiedener Konflikte, die für die Identität Europas als konstitutiv angesehen werden können.
- Die Südküste Spaniens ist die Aussengrenze der Festung Europa. Beinahe täglich setzen Menschen über das Mittelmeer und versuchen zwischen Almeria und Tarifa zu landen. Es wird mit etwa tausend Flüchtlingen gerechnet, die jährlich vor der Küste ihr Leben verlieren.
- Die Gegend von Almeria ist eine der wichtigsten Obst- und Gemüseanbauten Regionen Europas. Die Arbeit auf den Plantagen verrichten zum grössten Teil jene Flüchtlinge, die zuvor ihr Leben riskiert haben, um Europa zu erreichen. Sie tun dies unter miserablen Bedingungen und in der Illegalität.
- Andalusien ist aber auch Ziel einer umgekehrten, binneneuropäischen  Migration. Der Tourismus ist der tragende Wirtschaftsfaktor Andalusiens und hat dem einstigen Armenhaus Europas einigen Wohlstand beschert.  
- Unweit von Almeria befinden sich "Mini - Hollywood" genannte Themenparks. Die örtliche Sierra war Drehort diverser Westernfilme, für Teile der westlichen Welt veritable Gründungsmythen. "Mini - Hollywood" war nichts anderes eine Werte- und Bedeutungsfabrik.
- Andalusien war die letzte Bastion der Mauren in Europa. Spaniens Tourismusverbände tragen nun dieses glanzvolle Erbe und ihr Symbol, die Alhambra in Granada, als Attraktion zu Markte.
- Der Anarchismus hatte in den 30er Jahren einen festen Stand im ländlichen Andalusien. Bis die Reaktion das Land unterwarf. Franco nahm den gleichen Weg, wie heute jene, die wieder unter Grossgrundbesitz leiden und als Landarbeiter ausgebeutet werden - er kam aus Marokko.
Die Künstlergruppe Schauplatz International reist im Januar 2005 an die Südküste Spaniens, die Costa del Sol. Sie hat die Absicht, dort ein Remake des Filmes "King Kong" zu drehen. Die Dreharbeiten  sollen an den spannenden "locations" der Costa del Sol stattfinden. Sie ist  vom exotischen Potenzial  dieser  Gegend beeindruckt und  sieht  in den Szenen des "King Kong" - Films  eine  ideale übersetzung  für das Thema "Angst  vor dem Fremden". Aber die Gruppe reist mit gemischten Gefühlen an den Drehort: Voller Vorfreude und selbst mit Angst vor dem Unbekannten, dazu gesellt sich das Bewusstsein, eigentlich Nutzniesser einer prekären politischen Situation zu sein. Die auf Film gebannten Begegnungen mit einheimischen Fischern, europäischen Hippies und der Jungfrau Maria werden in "King Kong an den blutigen Stränden der Zivilisation -Château Europe II"  vorgeführt und gleichzeitig nachgespielt. Das Stück wurde  im Frühling 2005 an den Kammerspielen München uraufgeführt,  nach den ersten drei Vorstellungen jedoch nicht in den Spielplan übernommen. ästhetik und Inhalt der Produktion standen den Interessen des Hauses offenbar komplett entgegen.

top

Weitere Fotos zum Stück

King Kong

king kong Flagge

top