Free Keiko, The Orca, der Wal, der Willy Spielte. I
Keiko ist ein Filmstar. Er ist jener Wal, der in "Free Willy I - III" Millionen Zuschauerherzen eroberte. Daraufhin hat man ihm - wie im Film - die Freiheit geschenkt und das ist ihm zum Verhängnis geworden: Das wilde Tier will nicht mehr wild sein. Die Gefangenschaft ist zu seiner zweiten Natur geworden. Doch genau wie man den Wal zum Schauspieler dressiert hat, soll Keiko nun zum wilden Tier zurück dressiert werden. Warum, so erklärt Paul G. Irwin, der Präsident der Humane Society of the United States, jener Organisation, die sich um Keikos Schicksal kümmert: "Der Kampf um Keikos Freiheit ist der Kampf um unsere Freiheit. Er zeigt, wie Menschen Gutes tun können und unterstreicht unsere Verpflichtung gegenüber Werten wie Mitgefühl, Gerechtigkeit, Freundlichkeit und Respekt vor dem Leben. Es ist der Kampf um eine bessere Welt für alle, die sie mit uns teilen. Das ist, was uns Keiko lehren kann." Am Ende geht es also doch um uns. Aber was bedeutet eigentlich Natur? Was ist Natürlichkeit? Was ist Freiheit? Was ist echt und was künstlich? Keiko kam mit diesen Fragen nicht zurecht. Er ist am 12. 12. 2003 im westnorwegischen Taknesfjord überraschend an einer Lungenentzündung gestorben.
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Free Keiko, The Orca. The Whale That Played Willy. English short Version
Keiko is a film star. It is that whale, which in "Free Willy I - III" conquered millions of spectator's hearts. Thereupon one gave it - as in the film - the liberty back and that is what became him the calamity: The wild animal does not want to be in the wild any longer. The shank became its second nature. But exactly like one trained the whale to the actor, is Keiko now to the wild animal back to be trained. Why? Paul G. Irwin, the president of the "Human Society of the United States", that organization, which worries about Keikos fate, explains it to us: "The fight for Keikos liberty is the fight for our liberty. It shows, like humans could do good and underlines our obligation in relation to values such as sympathy, justice, friendliness and respect for the life. It is the fight for a better world for all, which share it with us. That is, which can teach us Keiko." At the end it concerns thus nevertheless us. Keiko became one of us and simultaneously remained that completely different one: nature. That is, what we believe. Anyhow,a few questions emerge there. What means nature? What is naturalness? What is liberty? What is genuine and which artificially? And which is now actually with this whale happened?
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Free Keiko, The Orca, der Wal, der Willy Spielte. II
Die Haut sah ganz ölig aus. Die sah aus wie so eine ölpesthaut. Dann war's aber gar nicht so, als ich ihn angefasst hab. Wer hat ihn den sonst noch angefasst? Ich hab ihn nämlich nicht angefasst. Ich schon. Im Film sieht er immer so ganz glatt aus, und von nah siehst du, dass er ganz viele Narben und Risse hat, wie ein Pneu. Wie ein Pneu? Ja. Ein Autopneu. Auf dem Rücken hat er weissen Schimmel gehabt am Anfang, als er aus Island gekommen ist. Schimmel? Schimmel? Was? Weisser Schimmel am Rücken. Das war, glaub ich, in Island, dort, wo sie ihn ausgesetzt haben. Mein ich ja. Du warst also in Island, als sie ihn ausgesetzt haben? Nein, als er von Island nach Norwegen kam, nachdem er von UPS und der US Air Force in Island ausgesetzt wurde, hatte er diesen Schimmel. Aha.
Ich bekam das Gefühl, dass dieser Fisch, der in einer Bucht schwimmt, unglaublich beladen ist. Das wurde mir klar. Es wurde mit vor allem klar durch die äusserung eines Fischers, der gesagt hat: "Wozu? Der ist für nichts mehr gut, der Wal, der wird nicht überleben. Wenn man versucht, den jetzt wieder auszuwildern ist das, wie wenn man einen alten Mann in die Disco schickt. Das geht nicht. Und ihr macht hier so ein Aufhebens um diesen Fisch." Und da wurde mir immer bewusster, wie beladen der ist. Die ganze Macht dieser Illusionsmaschine sitzt ihm auf dem Rücken. All diese Eigenschaften, die man ihm anhängt: Seine Lebensgeschichte, seine Krankheitsgeschichte, seine Geschichte der geweckten Emotionen, alle Organisationen, die mit ihm zu tun haben, die riesige Fangemeinde, all das lastet ihm auf den Schultern und erdrückt ihn. Die Maschinerie ist so mächtig, diese lllusionsmaschinerie, dass sie so einen Walfisch vorschicken kann und sich nach Norwegen rein setzen kann. Mit all ihren Werten, mit allen ihren Kodexen, was sie als Liebe bezeichnet, was diese Gesellschaft als Natur bezeichnet, als Freiheit bezeichnet, als Menschlichkeit und so weiter. Das ist eine Invasion der Werte, die da stattfindet und das lastet alles auf diesem armen Fisch. Ich bezeichne ihn auch schon als arm, das ist auch bescheuert, vielleicht ist er gar nicht arm. Das weiss ich gar nicht. Und es wird mit jedem Tag stärker. Je mehr Leute kommen, je mehr er sich bewegt von einem Ort zum andern. Jedes Mal wenn er verlegt wird, ist wieder ein Geschrei und wenn er jetzt ausgewildert würde, könnte ich mir vorstellen, dass er sofort aufgesucht wird mit seinem Sender, damit die Leute genau wissen, was er macht. Diese Diskrepanz berührt mich auch. Ich weiss nicht, was ihm bewusst ist und wogegen er sich gerne wehren würde, aber wir glauben, er hat dieses Bewusstsein, weil wir ihn so sehen: als Freund. Das berührt mich.
Aber ich habe diesem Wal zugeschaut, wie er die Flosse hoch gehalten hat, und wie er massiert wurde von diesem Wasserstrahl. Das hat mich berührt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein Wal so empfindsam ist. Aber was ich jetzt merke ist, dass ich genau gleich funktioniere wie all die andern Zuschauer dort. Es ist wie in einer Freakshow. Es ist wirklich eine perverse Situation und das macht mich ohnmächtig, weil ich merke: Ich kann mich nicht entziehen. Ich muss da einfach hingucken. Ich muss zuschauen. Das ist eine ganz intime Situation, die mir da gezeigt wird, dieser Wal, das ist etwas, was man eigentlich nicht sehen sollte und deshalb schaue ich zu, wie er massiert wird und wie ihm das gefällt. Es ist wie eine doppelte Berührung. Ich bin berührt gewesen durch die Tatsache, dass der so empfindsam ist. Das hat mich in so eine unmittelbare Nähe mit ihm gebracht, weil ich eben an dieser intimen Situation teilhaben konnte, dass ich sehen konnte, wie er das geniesst, dass er massiert wurde. Ich kann nicht anders als hinschauen. Es ist schlimm.
Ich fand diese Leute saublöd. Mir tat nicht der Fisch leid, sondern mir taten diese Leute leid. Und zwar weil sie - es ist schwierig das zu sagen, das hat was mit der Sprache zu tun - dem Fisch, der kein Fisch ist, seine Sprache ja sozusagen genommen wurde. Er hat ja vielleicht seine Kindheit oder was auch immer kurz mit Walfischen verbracht, später dann nur noch mit Menschen, die ihm seine Sprache aufgezwungen haben und er hat darauf reagiert, also sozusagen mit gelerntem Text oder mit gelernten Zeichen. Er hat auf diese Zeichen reagiert, von denen die Menschen wiederum glauben, dass sie sie verstehen und also interpretieren, dass der Fisch sie versteht. Was diese komische Kristiansdottir zum Beispiel gesagt hat, dass der Fisch sie wieder erkannt hat, das finde ich furchtbar. Und die Steigerung von dem Ganzen ist diese Tierdolmetscherin, die wiederum eine Sprache erfindet, die gar nicht existiert und die wiederum in diesen Fisch hinein tut. Also es hat etwas mit absoluter Kommunikationsunfähigkeit zu tun zwischen Mensch und Tier, aber auch, würde ich sagen, zwischen den Menschen.
Ich find's kein Problem, dass man sagen kann, man versucht mit Tieren zu kommunizieren. Nur wenn man, wenn man davon ausgeht, dass es geht, dann - und es tut mir leid, das zu sagen - ist das ein bisschen wie Theater. Es ist, wie wenn man irgend eine andere Person darstellt und sich über diese Person stellt und denkt, diese Person ist dümmer als man selber ist. Aber um diese Effekte geht es ja eigentlich: Gibt es einen Vorhang oder gibt es keinen Vorhang? Oder wenn es um einen Wal geht: Gibt es einen echten Wal oder gibt es keinen echten Wal? Wenn ich einen Wal total perfekt spiele, dann ist das die bessere Fiktion, als wenn ich einen Wal dahin lege. Es geht ja um das Bedürfnis nach Illusion. Aber ich kann das auch anders definieren. Ich definiere das ja nicht im Spiel. Ich glaube auch, dass ich einen schwimmenden Wal zeigen könnte. Aber es geht darum, dass ich diesen Effekt habe, von einem echten Wal, so dass man sofort denkt: Ah ja, der meint Meer. Dann überlegt man sich nicht dauernd: Was war das jetzt mit dem Vorhang? So, finde ich, geht man mit diesem Wal um. Das finde ich die Frechheit.
Ziemlich am Ende unseres Aufenthalts, war ja dieses Forschungsschiff, ich weiss nicht mehr wie es hiess, Explorer, genau, es hiess Explorer, glaube ich. Auf jeden Fall standen die in diesem Forschungsschiff - wie ist überhaupt dieses Forschungsschiff nach Norwegen gekommen, keine Ahnung, von Island? - auf jeden Fall gab es am Schluss dieser Woche, dieser aufregenden Woche, die wir da verbracht haben, kam der Präsident John G. Irwin, das ist der Präsident der Humane Society of the United States, die sich um Keiko kümmert. Das war eine klassische Interviewsituation. Man hatte diesen Reporter und ihn, diesen Präsidenten und der - und wir hatten die ganze Woche nur Leute gesehen, die so angezogen waren, wie wir, mit Regenkleider und so weiter - der sah aus wie ein Businessman, er hatte Anzug an und einen Schal und er sah aus, wie er in Manhatten aus seinem Büro kommt oder wo auch immer, aber er stand da an dieser Reling. Es war wirklich sehr schön: Dieser Fjord, Nebel - und Norwegen ist ja ein bisschen wie die Schweiz, nur mit Meer -, man sah im Hintergrund einen Wasserfall, auch Keiko schwimmend und das Dorf mit diesen roten Häusern und weil das Licht so flach ist, knallt das wirklich ganz rot, diese Häuser und das Grün, das Grün war so intensiv, das Wasser sah sehr kalt aus und der stand da an der Reling, in sehr schönem Licht eigentlich und der hatte einen Scheinwerfer gegenüber bei der Kamera, wie das halt so ist bei Interviewsituationen. Und der hat dann gesagt, er sei sehr froh, dass es mit Keiko so gut läuft und er sei vor allen Dingen froh, dass sich Keiko jetzt in ein so freiheitsliebendes Land wie Norwegen geflüchtet hätte. Das war der Moment. Einerseits die wahnsinnige Schönheit dieser Umgebung aber andererseits dieser Typ, der überhaupt nicht da rein passte mit seiner Kleidung und dann so etwas sagt. Darüber habe ich die ganze Woche nachgedacht. Ich war sehr wütend. Ich wäre am liebsten an Bord gegangen und ich hätte ihn wirklich am liebsten in die Eier getreten. Echt. Diesen Idioten wirklich in die Eier getreten und am besten in die Eier getreten und über Bord geschmissen. Der hat mich so genervt. Wenn man es mal ganz nüchtern anschaut, hat man da ein Meeressäugetier, mit dem versucht wird, warum auch immer, es wieder zurück zu züchten, damit es wieder wild wird. Dann kommt so einer, kommt von so einer Organisation wie der Humane Society of the United States, über die ich ein bisschen recherchiert habe und sagt so etwas. Als ob der Fisch Norwegen als freiheitsliebendes Land gewählt hätte. Auf welcher Ebene wird denn das verhandelt? Das hat mich wirklich wahnsinnig wütend gemacht. Von so einem Typen! Der kommt mit seinem Flugzeug nach Halsa und nimmt diesen Pressetermin wahr und sagt dann so was. Aber es geht um Plastik- Willy. Das hat ganz viel bei mir ausgelöst, auch über meinen Beruf. Mit was beschäftige ich mich eigentlich? Ich beschäftige mich professionell mit Fiktion. Aber was passiert plötzlich, wenn diese Fiktion stärker wird, als die Realität? Gibt es denn irgend eine Realität? Dieser Wal spielt in drei Hollywood - Filmen. Die Filme handeln von Befreiung und diese Fiktion bringt Leute dazu, sich für die echte Befreiung des Fisches einzusetzen. Die echte Befreiung ist aber gar keine echte Befreiung. Der Wal wird wieder dressiert, er wird zurück dressiert. Er ist wieder ein Schauspieler, der jetzt einen wilden Fisch spielt. So einfach ist das. Was ist denn real an diesem Wal?
Ich hab diese Leute gesehen, englische Touristen und alle haben's Gefühl, weil sie diesen schlechten Film gesehen, haben sie das Gefühl, sie kennen den Wal. Das ist, als hätte jemand mal per Zufall gesehen, wie ich in Aktenzeichen XY einen Zeugen spiel und daraus schliessen würde, er wüsste, wie ich denke. Alle, alle glauben, sie kennen den Keiko. Ja, wie man mich aus dem Film kennt, aber man kennt mich ja nicht. Mal abgesehen von den Leuten, ich meine einfach mal, wenn du jetzt einfach nur den Wal anschaust, was war das? Ich weiss es nicht. Da standen doch die ganze Zeit Leute rum. Es ist ein Freiluftzoo. Aber der Wal kann doch nichts dafür. Ja, aber ich finde es respektlos. Wieso? Ja, zu schwimmen mit ihm. Ich hab doch nur versucht, ihn zu berühren. Ja, aber ich find's brutal. Es weiss doch jeder, dass wenn man Keiko anfasst, wenn man einen Killerwal anfasst, dann kann man ihn anstecken. Erstens steckt man ihn an und zweitens - hört ihr mal zu jetzt - Menschen sind total gefährlich für so einen Walfisch. Ja. Weil sie übertragen Krankheiten. Menschen? Ja. Sie kriegen Pilze und so weiter. Nein! Das hat ein Fisch mit Schuppen! Aber dafür kriegt er ja auch diese Vitamine. Aber in Island hatte er einen Pilz gehabt, am oberen Rücken, er hatte diesen Schimmel. Das hat man im Dokumentarfilm genau gesehen.
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Free Keiko, The Orca, der Wal, der Willy Spielte. III
Schauplatz International sucht Gäste, die bei einer Aufführung des Stücks "FREE KEIKO, THE ORCA. DER WAL, DER WILLY SPIELTE. WAS IST ECHT, NATüRLICH, FREI?" mitwirken möchten. Interessieren Sie sich für das Verhältnis von Mensch und Natur, von Kultur und Wildnis? Mögen Sie Tiere oder halten Sie sich für einen besonders natürlichen Menschen? Ist Ihnen Freiheit wichtig? Was ist für Sie das Echte? Dann möchten wir Sie herzlich einladen, bei "FREE KEIKO, THE ORCA. DER WAL, DER WILLY SPIELTE. WAS IST ECHT, NATüRLICH, FREI?" mitzuwirken. Bitte kontaktieren Sie uns unter:
030 24749705 oder schauplatzinternational@podewil.de
Berlin
Premiere 28.Januar 2004, 20h, Grosser Saal Podewil
Weitere Vorstellungen: 30./31. Januar und 1.Februar 2004, 20h
Podewil
Kosterstrasse 68 / 70
D-10179 Berlin Mitte
Reservation: 030 24749-777 (14 - 19h)
Mit: Martin Bieri, Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer, Juliane Werner, Matthias Wyder, Joey Zimmermann & Gästen
Koproduktion: Podewil/Schlachthaus Bern
Unterstützt durch: Kultur Stadt Bern, Amt für Kultur des Kantons Bern/SWISSLOS, Migros
Kulturprozent, Burgergemeinde Bern
Schweizpremiere 5.Februar 2004, 20:30 Uhr, Schlachthaus Theater, Bern
Weitere Vorstellungen am 7./12./13. Und 14. Februar 2004 jeweils 20:30 Uhr
Schlachthaus Theater
Rathausgasse 20/22
CH-3011Bern
Reservation: 031/ 312 60 60 oder reservation@schlachthaus.ch
FREE KEIKO, THE ORCA. DER WAL, DER WILLY SPIELTE. WAS IST ECHT, NATüRLICH, FREI? Ist als FREE KEIKO, L'ORQUE. LA BALEINE QUI TENAIT LE ROLE DE WILLY. QU'EST-CE QUI EST VRAI, NATUREL, LIBRE? am 19./20./21.Februar 2004 jeweils 20 Uhr.im Centre d'art Contemnporain de Genève zu sehen.
Eingeladen durch planet22 in Zusammenarbeit mit dem Centre d'art Contemporain de Genève
Melodie zum Stück
Theatre Music Schauplatz International
Free Keiko
Music for the play "Free Keiko der Wal der Willy spielte" by Matthias Wyder
Vocals by the actors Liebl, Ellend, Studer, Werner, Zimmermann.
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Weitere Fotos zum Stück
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