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In The Ghetto. Bling Bling.






INDEX:

In the Ghetto. Bling Bling.
In the Ghetto. Bling Bling, English short version

INTERVIEWS MIT DEM HASENBERGL, 4 Interviewpacks:
Interviewpack 1 (Albert)
Interviewpack 2 (Anna-Lisa)
Interviewpack 3 (Martin)
Interviewpack 4 (Lars)

Ein Foto zum Stück

Presse



In the Ghetto. Bling Bling.

Schauplatz International betreibt urbane Studien. Schauplatz International fährt vom Zentrum an den Rand und spricht mit den Einheimischen. Alte, Junge, Ausländer und Deutsche, Angepasste und Unangepasste. Aus diesen Begegnungen ergeben sich Bilder vom Leben im Hasenbergl. Bilder, die zu dokumentarischen Texten werden, Dokumenten der Realität:

S. 15: Macht euren Scheisstheaterdreck. Bitte. Aber macht ihn nicht für mich. Interessiert mich nicht. Der Dreck. Macht den für euch. Scheisse. -Andreas 42: Die Wutschwelle ist ja ungemein tief, da kommt alles sofort an die Oberfläche. Es ist ja eine Frage der Kanalisation. Wohin diese Wut geht. - Gülmin 17: Also die wollen das ich krass drauf bin, und wenn ich dann krass drauf bin kommen die Homosozialtanten kriegen eine feuchte Muschi, und kriegen einen hoch Mann, und kriegen gut Kohle und isch krieg hier nur Unterstützung, wenn ich so krass drauf bin. Verstehst du, isch will nischt isch muss. - Albert, 32: Versteh ich gut, wir müssen auch krass kritisch sein, und unsere Position in Frage stellen, isch will auch nischt isch muss. - Perla 16: Susanne sagt auch zu mir, immer jeden Tag musst nicht haben Angst und so vor Männern du kannst eben auch gleich gut alles. - Theater Heute: Auf intelligente Weise wird an tragenden Aesten der eigenen Aesthetik gesägt. - Tim 17: Gib mir nen rime auf cool, auf too cool, Mann. Der rime auf too cool ist old school, Mann. Fertig. - Checker 22: Nike ist Mullah-out...wir sind ne fullmetal-coole community! - Martin, 27: Karl May war ja auch nie drüben und hat uns den Wilden Westen so plastisch geschildert. - Lars, 37: Eh klar. - Anna-Lisa, 34: Der hat den Western ja auch nur verwendet für so, also, ein Symbol. - Lars, 37: Symbol ist nicht so treffend. - Anna-Lisa , 34: Halt Metapher. - Martin, 27: Schreib Vehikel. - Anna-Lisa, 34: Ok, Vehikel. Also für sich verwendet. - Frau K. 38: Die klauen ja alle, wenn's auch nur aus Langeweile ist. - Lars, 37: Was machst du gerade? - Mohammed 19: Nix (lacht). - Raja 17: Wo is Problem? Ich mach sie geil und der Geilste machts mir. Das ist Freiheit!

Wir fahren vom Zentrum an den Rand, das Hasenbergl: beissender Rauch, brennende Mülltonnen, Querschläger und das Heulen der Sirenen. Helm auf, Visier runter, Waffe entsichern, zusammenbleiben. Wir schiessen uns eine schöne Story fürs Theater an der Maximilianstrasse. Eine Trophäe aus dem Ghetto. Bling Bling. Schauplatz International holt die Realität auf die Bühne. Welche Mittel der Abbildung von Wirklichkeit stehen dem Theater zur Verfügung? Kann man das Hasenbergl in die Kammerspiele holen? Feldforschung in Bunnyhill.

Von und mit: Anna-Lisa Ellend, Martin Bieri, Albert Liebl, Lars Studer

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In the Ghetto. Bling Bling, English short version


Schauplatz International makes urban studies, travels >from the center to the periphery and speaks with natives. Old and young, germans and foreigners, conformists and non-conformists. Out of these meetings one can see the image of life in Hasenbergl, texts of documentary character, documentary of reality. p.15 make your theatreshit. but don't make it for me. i don't care. this shit. make it for you. shit. - Andreas: the angerthreshold is extremely deep, everything comes immediatily to the surface. it's a question of canalisation.. where this anger goes to. - Gülmin: ok. they want me to be crass, and when i am crass the homosocialworkercunts come and get a wet vagina, and get a hard-on, man, and get good money, and i get only relief when i'm crass. understand? i don't want i must. ...

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Interviewpack 1 (Albert)

M
P:Mein Name ist M.. Ich arbeite seit zehn Jahren im Revier hier, das wo für den Hasenbergl zuständig ist. Das Quartier ist hier recht sicher weil hier, hier herrscht so was wie, so eine Art, die regulieren sich halt wie selber.
I: Meinen sie eine Art soziale Kontrolle.
P: Ja genau soziale Kontrolle. Das ist eine sehr soziale Gegend. Viel sozialer auf eine Art wie bei mir daheim.
I: Wo ist das?
P: Das möchte ich lieber nicht sagen.
I: Was sind denn so die üblichen Delikte.
P: Vandalismus, sowas, Klauen, ja, also Kaputt machen, aber, also es gibt ja dann auch gar nicht mehr soviel zum kaputtmachen, und Klauen, ja also die beklauen sich eigentlich nicht, zum klauen gehen die mehr in die Innenstadt, es gibt ja dann eigentlich nicht mehr soviel Läden hier.
I: Bankraub?
P: Nein (lacht). Die Bank ist gerade zugemacht worden, und ja die sind so, ja sozial, die rauben sich ja nicht selber aus. So vielleicht wie Robin Hood (lacht), obwohl ja eigentlich wir in Grün sind egal.
I: Was ist so das schlimmste was ihnen passiert ist hier im Quartier?
überlegt lange
P: Das war das mit den , mit den Schrebergärten, also da sind so alte, traditionelle Bewohner, von früher, die haben da so ihre Schrebergärten da hinten, und die Jungens, die haben den, im Blödsinn so, aus Langeweile so abgefackelt, und die Alten, die wo, die interessieren sich ja für die Jungens, die wissen ja wie's war nach dem Krieg, und die kennen das, ja dieses, diese, dieses Elend, jetzt habe ich den Faden verloren.
I: Schrebergärten, also man sollte ja eigentlich Kleingärten sagen, weil der Schreber war ja ein Nazi
P: Ja so, also die Alten, die haben sogar eine Moschee in den Garten gebaut, so eine Modellmoschee, die interessieren sich und die sind im Kontakt, das wäre was wo nützt, und dann fackeln die denen das ab, dabei sind die doch gleich.
I: Gibt's denn sonst nix schlimmeres Gewalt und so.
P: Es gibt natürlich so die Clans oder die Gangs, die wo, die sich so bekämpfen, aber das ist so, wie , wie soll ich sagen, das sind so was wie , ja sowas wie Ritterturniere, da gibt's Regeln so, das ist so kontrolliert, und klar müssen wir mal auf die Schule, mit Handschellen, jemanden mitnehmen, aber, wie soll ich das beschreiben, wir wissen alle was wir zu tun haben, ja ich bin der mit den Handschellen, un der andere ist der , der kriegt sie halt an, die Handschellen, und so , z.B. ein Fussballspiel oder eine Demo, also das ist viel anarchischer, also vielleicht gefährlicher.
I: Habe sie Leute in den Schulen?
P: Wir haben keine also wir haben ja die Lehrer, die Sozialarbeiter. Und klar haben wir auch Vergewaltigungen und Mord und die ganze Scheisse, aber wir von der Polizei wir haben überall nur den Müll, also wir sind keine, kein Thermometer für was geht, es ruft uns ja niemand zum Geburtstagsfest, und wir haben halt hier diese Kriminelle und in der Innenstadt sitzen die anderen Kriminellen, ja die, ich sag mal hier sitzen die Schwarzfahrer, die mit der S-Bahn fahren und im Zentrum die Schwarzfahrer die fliegen.
I: Haben sie persönlich Kontakt mit Ausländern, privat.
P: Privat habe ich ausser mit meiner Familie mit überhaupt niemanden Kontakt, weil ich keine Zeit habe, ich bin total assozial wenn sie so wollen (lacht). Am Schluss vielleicht noch möchte ich sagen, ich weiss nicht was sie da machen in den Kammerspielen, aber ich wollt sagen, also es gibt viel schlimmere Quartiere als das wo wir jetzt da sind.


Anita Strahl, 44, Kulturantropologin und Soziologin, schreibt für u.a. für die TAZ und die Neue Zürcher Zeitung
Ich beobachte solche Projekt wie Bunnyhill schon länger. Auffällig, ist das bei solchen Projekten, nie die Struktur des Ortes, der ich sag mal den niederwertigen den Periphären Ort beschreibt, reflektiert wird. Und das zweitens, dass es also meist nie um das Verhältnis der beiden Orte zueinander geht, sondern darum, dass der Priviligiertere, also mächtigere Ort, sich in der Kulisse des Slums als Metapher selber bestätigt. Also eigentlich den Slum, als Metapher verwendet, wie ich sage mal, z.B. Willhelm Tell von Schiller in der Landschaft der Innerschweizer, primitive Berbewohner, als Metapher im bürgerlichen Theater herhalten muss, für Freiheit. Es ist das bemächtigen eine Hülle und nicht eines Inhaltes. So. Man nimmt ein Zirkuszelt, drinnen finden dann aber Galadiners statt. Das ist in doppelter Hinsicht problematisch, weil die Hülle die von aussen erahnbare Form als Realität ins Zentrum gestellt wird und das Bild verstärkt, dass wir von der Peripherie, vom Ghetto haben, ein Missverständnis, es handelt sich ja nur um die Kulisse sozusagen. Bei solchen Projekten scheint es mir dann auch wichtig den gedanken der Peripherie in der Institution zu betrachten. Also hier in den Kammerspielen, herrschen die gleichen Verhätnisse, wir haben die Innenstadt Schauspielhaus und dann das Ghetto Bunnyhill. Auch hier nutzt die Innenstadt vorallem die Peripherie um sich hier in diesem Fall, in Frage zu stellen, um dann Kreativ Kapital darauszuschlagen, sich selber zu positionieren. Ich möchte sagen, bei solchen Sachen geht es nie um eine Auseinandersetzung oder Hinterfragung sondern um ein Sich Vergewissern und Verbessern des herrschenden Ortes, der sich die Ressourcen der Bronx zugängig macht, um dann wie man im HIPHOP gut beobachten kann, im Mantel der Bronx sich zu reflektieren und seine Ideologie zu transportieren. Ging man früher zu Indigenen Völkern Pilgern wir heute zur Misere, in den Städten und anderswo, weil wir glauben, diese Leute seien, authentischer als wir, weil primitiver, reiner, hierbei wird immer das Machtgefälle sichtbar, der kolonialistische Blick.
-Ja und soll man solche Sachen, solche Projekte, dann lieber nicht machen?
Ich finde Ja, wenn man sich dem Risiko nicht aussetzt, mit Haut und Haaren, die Orte wirklich vertauscht werden, geografisch für eine Zeit, andere Fakten geschaffen werden, dann ist das einfach, man kann schon sagen Ausbeutung, Ausbeutung von Rohstoffen, bei der sicherlich auch ein paar Brosamen vom Tisch fallen für die Bewohner der Ghettos.

Kathrin, Architekturstudentin, 24
Wir haben hier im Hasenbergl die Urbanen Strukturen untersucht, ach so ja ich bin Kathrin, Architekturstudentin, und ja also die Siedllungsmuster, also wie die Behausungen angelegt sind, dass ist hier wie in Dachau, oder ?hnlichen Anlagen. Also wenn mann sowas machen will, wo viele Leute zusammen wohnen, ja also leben, dann macht man das so wie in Dachau, von der Anordnung her, von der Siedlungsstruktur, wie die angelegt sind, wegen der Hygiene...Die Siedlungstruktur ergibt sich ja immer aus dem Bestimmungszweck, ja, ich sag mal Regierungsviertel sehen auch überall gleich aus, oder Bankenviertel, das ist normal...

RAP (NN)
wir sind hart
wir machen euch platt
wir haben eure einmischung satt

yoyo
wir sind der abschaum
euer alptraum
wir schützen unsern lebensraum
wir fackeln alles fremde ab
mit unserem rap
euern linken sozialen netten papperlapapp
check it out, are you with me
open your ears and jusr fuckin'listen
bitch bitch
was wir wollen ist reichtum durch nichtstun
ihr sozialen assozialen sozialschmarotzer
euch rotten wir aus
eure golfs drehen wir durch den wolf
wenn wir kommen in the city
gibt's kein pitty
wir ficken euch weg
setzen den samen
des stärkeren überall rein
wir stürzen euch
und werden dann herrschen
wir sind die herrschaft des stärkeren
für immer
forever
wir haben keine werte
bmw, gucci, nike, jag und versace
das ist unsere religion
dafür gehen wir über
leichen
kill kill
yoyo nigga.

Jochen 44, Sozialarbeiter
Ich bin Jochen. Sozialarbeiter hier im Hasenbergl. Na klar ist der Hip/Hop hier, im ich sag mal Ghetto, die Funktion einer Art Leitkultur. Aber ich find das nicht schlecht. ich habe auch keinen Bezug zu dem Ganzen Zeug, aber die Kids wollen das. Und ich will ja nicht, missionieren. Aber es gibt ja viele Beispiele dafür, also das Kreativität ein Ausweg aus dem Elend ist. Elvis zum Beispiel und Eminem, Elvis hat ja dann auch ein Lied übers Ghetto geschrieben. Mist. Was soll ich denn machen. HipHop ist immernoch besser als nicht machen. Natürlich ist das auch Imperialismus hier. Wir verstäreken die Idee des sozialen Aufstieges über das Erreichen von materielle Zielen, den die nur durch Verbrechen erreichen werden. Mist. Manchmale gehen die mir hier auch tierisch auf die Nerven, dieses assoziale Machopack....

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Interviewpack 2 (Anna-Lisa)

eins:
ich bin günel, ich bin neun jahr alt, wohne hier in erster etage.
meine mutter ist viel krank. es tut ihr alles weh. starke schmerzen in den gelenken. manchmal macht so fest, dass sie dann morgens im bett liegen bleibt. den ganzen tag im bett und steht nicht mehr auf. ich weiss nicht genau warum es ihr so weh tut. ich bleibe dann auch zu hause und gehe nicht in die schule. ich habe auch noch eine kleine 2 jährige schwester . in der letzten woche bin ich zweimal zu hause geblieben. meine mutter ruft manchmal für mich in der schule an, sagt ich kann nicht kommen, weil ich krank bin. meine mutter will keine fremden leute in der wohnung, die sich um sie und meine schwester kümmern. meistens ist meine schwester brav aber sie kann auch schreien, richtig laut und schrecklich. sie hört nicht mehr auf. meine mutter hört es nicht gern. meine kleine schwester mag aber gerne süssigkeiten. die sehen wie würfel aus und werden fast durchsichtig, wenn man den staubzucker ableckt. sie schreit auch viel, wenn sie nichts süsses bekommt. ich gehe mit meiner schwester nicht aus dem haus, ich bin ja krank und da muss man zu hause bleiben. ich schaue auch manchmal etwas im fernsehen an und passe dabei auf meine schwester auf. sie hat so etwas wo sie drin liegt und nicht hinauskann von alleine. meine mutter will manchmal etwas zu trinken haben, süssen tee. den haben wir in einer grossen kanne. wenn solche tage sind, bringt mein bruder vom bäcker etwas zum essen mit. er bleibt nie zu hause und kümmert sich um meine mutter und meine kleine schwester. er ist ein junge. mein vater arbeitet , ich weiss aber nicht genau was. ich möchte später gerne model werden, dann kann ich in der welt herumreisen und immer schöne kleider tragen.

zwei:
ich heisse andreas und arbeite hier als sozialarbeiter und musiklehrer

warum arbeiten sie hier?

ich wollte schon immer dort arbeiten, wo am meisten handlungsbedarf besteht. warscheinlich kommt das von einem starken gerechtigkeitsempfinden. was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu oder so.
ich habe viele kollegen, die mir sagen, mann du machst dich doch nur kaputt, such dir doch ne angenehmere stelle.
aber mir gefällt es hier, trotz allem.

was verdienst du hier?

sagen wir mal, ich komm durch. das reicht mir. als ich vor 8 jahren angefangen habe, wars weniger.

wie bist du aufs trommeln gekommen?

ich hab schon seit langem für mich selber ein bisschen getrommelt. das ist eine ganz tolle sache mit dem rhythmus und den unterschiedlichen klängen. so eine trommel ist ein ganz sensibles instrument, du kannst es ja ganz fein bearbeiten oder richtig scharfe töne erzeugen. vorallem wenn du mit andern zusammenspielst, dann ist das ein richtig tolle sache, dann kommst du eigentlich an das wesen dieses instrumentes erst richtig ran. das zieht dich dann voll rein in diesen rhythmus, einerseits bist du nämlich hochkonzentriert und andrerseits kannst du dich auch richtiggehen lassen, auch im sinne von austoben. für die kids ist das eine super erfahrung, man kann ja schon mit ein paar einfachen rhythmen, die zusammenkommen einen grossen effekt erzeugen. da kann man schon mit den ganz kleinen anfangen. weişt du so: bam bam bam und der andere macht dann immer die zwischenschläge. bam bam bam bam bam bam. die kids lernen ja auch, sich in eine gruppe einzufügen und merken, dass der rhythmus ja nur funktioniert, wenn alle mitmachen. meistens fange ich aber in einer zweiergruppe an. so quasi ein zwiegespräch. ich sag dir, je früher sie mit sowas anfangen um so besser. aber da braucht es natürlich auch verständnis für die anderen, wenn einer halt rausfällt, dürfen die andern nicht gleich wütend werden. meistens ist es aber so, dass die kids sich vorallem über sich selber nerven. die wutschwelle ist ja ungemein tief, da kommt alles sofort an die oberfläche. es ist ja eine frage der kanalisation. wohin diese wut geht. bei mir dürfen sie dann ruhig mal auf die trommeln losschlagen, das ist mir lieber, als wenn sie sich gegenseitig prügeln. und die trommeln halten ja einiges aus. aber es ist tatsächlich schon mal vorgekommen, dass einer aus wut gleich eine kaputtgehauen hat. voll mit der faust rein in das trommelfell. weiss gar nicht wie das gehen konnte.

drei:
stimmt es dass du aus der lehre rausgeflogen bist? warum ist das passiert?

weiss nich.

ja aber die müssen dir doch einen grund angegeben haben?

mann bin zu spät gekommen oder was. die spinnen doch, mann, zehn minuten. was kann ich dafür, wenn das arsch von busfahrer mir immer vor der nase abfährt.

und was machst du jetzt?

rumhängen, irgendwas halt.

wo wohnst du?

bei freunden.

und was sagen deine eltern dazu?

ach mann hör auf.

wissen sies denn schon?

bist du verrückt mann . mein vater prügelt mich tot, wenn er erfährt, dass ich die lehrstelle nich mehr hab. scheisse mann.

aber die machen sich doch bestimmt sorgen um dich, wenn du nicht mehr nach hause kommst?

kann sein. kann nich sein.

was ist mit deiner mutter?

hey ich hab jetzt echt keine lust mehr. ich geh jetzt. (pause)
he willst dus wissen was? ich sags dir mann, meine mutter hat sich vor einem jahr wegen meinem drogensüchtigen schwester umgebracht. das ist mit meiner mutter.

vier:
guten tag, wir sind von schauplatz international, und haben gestern mit ihnen telefoniert.

grüsst euch, wollt ihr einen kaffee?

gerne ja.

also dann legts mal los, was wollts ihr wissen?

wenn sie uns einfach über ihre kneipe hier erzählen könnten, was sie so tagtäglich erleben hier.

ja ich hab halt so meine stammkunden, die stammen hauptsächlich aus dem quartier hier. man kennt sich. früher haben wir noch selber gekocht, aber das lohnt sich nicht mehr, jetzt haben wir einige tiefkühlprodukte, hamburger, pizzas, die werden aufgewärmt in der mikrowelle. hauptsächlich kommen die leute her um ein bier zu trinken.

arbeiten sie gerne hier?

es ist eine arbeit. ich bin ja selber hier aufgewachsen, manchmal überleg ich mir, den laden dicht zu machen und mehr richtung innenstadt zu gehen. aber das ist eigentlich auch schon zu spät. na jetzt bleib ich halt hier.

was erleben sie so?

ja was erleb ich denn so. ihr fragts mich jetzt sachen. die leut kommen rein setzen sich hin, trinken ein bier und gehen wieder.

sind das eher ausländer oder deutsche?

na i würd jetzt sagn es sind schon mehr deutsche. ich bin ja auch einer. i moan, die ham halt ihre kneipen und wir die unsrigen.

können sie uns sagen , was der gesprächsstoff so ist?

über das wo man halt so redet. familie, falls eine da ist. wobei es sind schon mehr alleinstehende. wo sollen die denn abends auch hin sonst? da geht man eben in die kneipe. dann hob i ja auch den fernseher da hängen und da läuft dann manchmal ein spiel. über was sonst noch... i mein ihr müssts jetzt schon verstehn, dass i euch jetzt hier keine geheimnisse ausplaudere. i weiss ja auch nicht, was ihr dann da draus macht. ihr seids ja vom theater oder? bei die medien muss man sowieso aufpassen.

eine letzte frage vielleicht noch, gibt es hier eigentlich viele alkoholiker?

natürlich gibt's die, was meints ihr denn, ganz münchen sauft doch bier. aber des is ja nicht mein problem, was soll ich denn einem armen hansl sein letztes allerliebstes auch noch wegnehmen, wenn ihm eh schon die alte weggelaufen ist oder durchgebrannt mit einem, der a dickere brieftasche hat wie er. da bin i doch kein polizist oder doktor oder psychologe. herrgottsackra. der kriegt sein bier und damit schluss. i hab schon genug zu tun mit die sozialarbeiter, die kommen ja auch her, wegen den jugendlichen, dass i koan alkohol ausschenken soll. ja wem kann i denn noch ein bier verkaufen, wenn nicht den erwachsenen? i muss ja auch von was leben oder. und ich sag immer, es ist alles eine frage des masses. natürlich sag ich im ernstfall, so jetzt is aber schluss, jetzt kriagst koans mehr, ich bin ja kein unmensch.

fünf: hei du bist gut drauf heute was?

klar mann. hey hier brief von meinem onkel. voll krass. mein onkel lebt in usa. in voll krassem grossem haus. mit swimmingpool, echten wellen, drei autos. mit 16 werd ich nach amerika gehen, echt mann. dort kannste führerschein mit 16 machen. mein onkel hat beziehungen weişt du, kennt echt wichtige leute. plattengeschäft und so, Boxer. ich werd echt verrückt mann. nächste woche kommt er uns besuchen. mit flugzeug, mein vater holt ihn ab. ich hab ihn mal gesehen, war vielleicht 3 oder 5 jahre alt. ich hab foto von ihm. willste sehen? hier (hält hin und zieht es wieder weg.) nix da pfoten weg. kuck, so viel darfst du sehen. mehr nicht. verstehst du. inkognito. seine schuhe kannste sehen. (deckt den rest ab) pass auf nicht zu lange. he willste konflikt in fresse mann? he mein onkel ist echt cool mann, der hat mehr kohle als du und dein ganzes beschissenes theater zusammen. der kauft das ganze theater und dann mann wruumm. kommt ein grosser bagger und macht riesenloch, macht alles kaputt, verstehst du. (lacht)

sechs:
bei ihnen ist eingebrochen worden?

ja und das nun schon zum zweiten mal innerhalb der letzten drei monate. das vorletzte mal war es vor einem jahr. zum glück bin ich versichert. aber mich täts nicht wundern, wenn die versicherung irgendwann nicht mehr zahlt. und sie die prämie hochsetzen würden, wegen erhöhtem risiko hier in der gegend. wen wunderts, dass es hier draussen keine schönen geschäfte gibt. wer will hier schon verkaufen. ich meine neben den allernotwendigsten sachen, wie lebensmittel und so, für was anderes hat er ja keine kundschaft. es gibt ein paar geschäfte, die verkaufen so zeugs, hausschuhe,falsches silber, regenschirme, daunenduvets alles durcheinander, aber des is alles mehr oder weniger gamsch, billig halt. und ich hab auch aufgehört in meiner auslage überhaupt noch richtig schöne produkte auszustellen. die klauen ja alles und wenns aus langeweile ist. dann liegts dann ander nächsten strassenecke am boden. ich hab mich drum jetzt drauf beschränkt auf die frisurenvorschläge auf karton.

sieben
also ich bin sabrina und das ist meine freundin melo und es fehlt süni , wir sind immer zu dritt und machen alles zusammen. ja also wir sind alle drei in der mädchengruppe und da machen wir ganz verschiedene sachen.
z.b. basteln. also jetzt gerade machen wir ein plakat für unsere band. wir haben eine mädchenband gegründet wir drei. also das plakat könnte dann auch das cover sein für für eine cd, wenn wir eine aufnehmen. also wir haben noch keine aufgenommen aber wir müssen ja erst mal noch üben. angefangen haben wir mit playback. also wir haben uns sachen rausgesucht aus cds, die wir zu dritt singen können, ich meine wo wir dreistimmig singen können. wie in popstars. schwierig ist das mit dem notenschreiben. das hat uns andreas gezeigt. aber jetzt machen wir es meistens so, dass wir einfach alles aufnehmen. andreas hat ein minidisc. dann brauchen wir keine noten. was für einen stil wir singen? also verschiedenes. soulig und auch hip hop oder r and b und natürlich tanzen wir. das macht am meisten spass. wir schauen uns musicvideos auf MTV an und machen schritte nach. wir sind auch schon mal an einem schulfest aufgetreten. wir haben ein bisschen zu spät eingesetzt aberndann haben wir wieder hineingefunden. ich tanze gerne, am liebsten würde ich mal in einem musicalauftreten oder als backgroundsängerin arbeiten. das gute dabei ist, dass du nicht so dem starrummel ausgesetzt bist wie wenn du selber singst. also als bandleaderin. viele fangen ja auch mit drogen an, weil sie es nicht mehr aushalten, den ganzen rummel, die fans und so, das ist ja total anstrengend und du musst immer super draufsein. die stars sind ja auch nur menschen und viele haben auch keinen festen freund weil sie ständig liebesbriefe bekommen und und der freund dann eifersüchtig wird. der eine sänger hat doch letzthin seine freundin im hotelzimmer umgebracht, die war schauspielerin. die musik von denen kenn ich nicht so gut aber das ist eben alltäglich bei den stars dass die total ausflippen. und auch für die kinder ist es schwierig. ich meine für die kinder von den stars, wenn ein star ein kind hat, das wächst dann gar nicht richtig bei seinen eltern auf, weil die keine zeit haben und geschieden sind und so. bei melo ist das anders, deine eltern sind ja auch geschieden, aber deine mutter ist ja kein star und und du kennst ja deinen richtigen vater auch und kommst mit deinem stiefvater klar. (zu melo) der wohnt jetzt in freising oder bei seiner neuen freundin oder? gehst du ihn an weihnachten jetzt besuchen oder nicht? du musst vielleicht mal seine neue freundin kennenlernen, vielleicht ist sie ja ganz nett, oder?

acht:
ah hallo. ich bin hafida, meine mutter redet nicht so gut deutsch.

(wann seid ihr hergezogen?)
85. wir sind 85 aus marrokko gekommen. ich war zwei. ich bin hier in die schule.

(hat sich irgendetwas verändert seither in ihrem leben?)
sie sagt, es ist anders jetzt. früher war es einfacher, ich war in der schule. mein vater lebte noch.
sie macht sich jetzt sorgen um mich, was aus mir wird. sie will dass ich eine arbeit finde.

(möchte sie nicht, dass du heiratest?)
nein sie möchte lieber, dass ich arbeiten gehe und hier bleibe.

(was macht sie so den ganzen tag?)
sie ist hausfrau. sie geht einkaufen und putzt. sie telefoniert auch mit ihrer schwester in marokko.
am wochenende kommt immer mein bruder mit seiner familie.

(findet sie es schade, dass er nicht mehr hier wohnt?)
mhm ja, sie vermisst ihn. er wohnt nicht mehr hier, aber wir sind auf einer liste für eine grössere wohnung. wir möchten dort alle zusammen wohnen.

(und was möchtest du? möchtest du nicht einmal eine eigene wohnung, du bist doch auch schon 21?)
ich will nicht von ihr weg, sie ist sehr traurig seid vater gestorben ist. ich will jetzt gerade auch keinen freund haben. immer freund, freund, freund und dann macht er wieder schluss.

(konntest du eine lehre machen?)
ja verkäuferinlehre. es ist aber schwierig danach etwas zu finden. aber im einkaufszentrum suchen sie jetzt leute. ich hab mich beworben aber noch keine antwort bekommen. ich möchte eigentlich lieber mit kindern etwas machen. wie heisst es. (pause) genau. erzieherin. ach ich weiss nicht, es ist einfach alles mühsam. immer warten auf die briefe, sich vorstellen gehen, wieder briefe schreiben. meinen freundinnen geht es auch so. also die, die keine kind haben oder verheiratet sind, die suchen auch alle arbeit. an der kasse sitzen, dass ist doch langweilig. meine mutter sagt aber ich soll dankbar sein. ich soll einfach arbeiten und geldverdienen. sie ist in marokko aufgewachsen und hat nie geldverdient. wir sind jetzt in deutschland sind und ich soll arbeiten sagt sie.

neun:
vor gott sind wir doch alle gleich.
nein, natürlich kann man hier draussen deprimiert werden. allerdings geht es uns ja bezogen auf die anzahl kirchenbesucher nicht viel schlechter als vielen kirchen in sagen wir mal ganz deutschland. wir haben übers ganze jahr gesehen immer etwa gleich viel, da fallen auch die hohen feiertage nicht sehr stark ins gewicht. das ist in andern kirchen vielleicht anders, die haben an weihnachten voll, dann kommt ostern und vielleicht auch noch pfingsten und dann wärs das auch schon gewesen. die gewöhnlichen sonntage sind auch bei denen schlecht besucht. wir bieten hier draussen auch immer wieder bewusst ökumenische gottesdienste an. die entstehen oft in zusammenarbeit mit den anderen institutionen. sowieso ist diese zusammenarbeit sehr gut und wir haben alles zusammengerechnet ein grosses angebot. aber wir möchten uns gegenseitig auch nicht konkurrenzieren sondern einander zuarbeiten. bei uns finden keine trommelkurse statt, das deckt der club ab. unsere aufgabe besteht darin kirche zu sein. eine christliche kirche. es ist uns ein grosses anliegen, die menschen aufeinander zuzuführen. in dieser hinsicht haben wir hier draussen eine grosse chance. wir haben hier eine spezielle situation. schon in den schulklassen kommen kinder mit vielen verschiedenen religiösen hintergründen zusammen. von einheitlich keine spur. das ist doch grossartig. aber noch mal zu ihrer frage, nein ich glaube nicht, dass wir es hier draussen schwerer haben. um ihnen ein beispiel zu geben. der mensch hadert doch immer mit seinem schicksal. ob reich oder arm, wo auch immer er wohnhaft ist. wir lassen uns alle zu sehr ablenken und möchten zu uns finden. das ist für die hier draussen, wie für die drinnen eine aufgabe.

zehn:
möchten sie kaufen?
brauchen sie neue schere, messer?
können sie auch bringen alte, mach ich für sie wie neu.
ganz billig, nirgends in münchen so billig.

es tut mir leid, ich brauche grade kein messer.

dann vielleicht schere?
schere immer gut, immer brauchen. schneiden papier, stoff, zeitung.
hier- billig, 3 euro.
für sie schöne frau mach ich auch zwei fünfzig. spezialpreis.
du zufrieden mit neue schere. ich verdient zweifünfzig. komm, billig.

gut ich nehme die schere. darf ich sie noch was fragen, wohnen sie hier in der gegend?

ja ich wohnen hier mit familie. warum du fragen?

wir machen eine arbeit über diesen stadtteil. eine theaterarbeit an den kammerspielen.


a kammerspiele- maximilianstrasse. teuer, viel geld. du kaufen messer für kammerspiele.

ja ja (lacht), nein ich möchte wirklich kein messer kaufen. ich habe ja schon die schere.

du kommen mit nach hause. meine frau fama dir handlesen. beste handleserin in europa. immer stimmen. sie sagen ob gut wird. komm. nicht gefährlich. nicht teuer, 15 euro billig für handlesen. ich machen auch musik. geige, harmonika, du kennen musik? lustig. immer schneller, immer schneller. gut tanzen. schöne musik. richtige musik.

danke sie sind sehr freundlich, ich glaube aber nicht an handleserei.

macht nichts. ist lustig, komm. machen 10 euro. schöner tag heute. du handlesen, ich machen musik. schöner tag.

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Interviewpack 3 (Martin)

Haching ist kurz vor der ersten Halbzeit in Führung gegangen. Das hat mich gefreut. Haching ist nett. Auch zum Dienst schieben. Die Leute sind entspannt. Da krieg ich auch nie Probleme wegen meiner Hautfarbe. Das ist denen egal da. In der zweiten gab's nur einmal kurz Aufregung, weil auf der Toilette ein Dicker einem Dünnen über die Hosen gepinkelt hatte. Dann ein paar Beleidigungen, ein Faustschlag. Naja. Wir zu acht in Zweierkolonne hin. Im Laufschritt. War ganz gut bei der Kälte, ein bisschen Bewegung. Die Sanität hat sich dann gekümmert. Um beide. Beim einen die Nase, beim andern die Hand. Naja, nichts passiert. Köln hat dann noch drei Tore gemacht. Schad für Haching. Dafür sind die Leute schneller weg. Auch gut. Bin ich früher zuhause. Bei der Kälte. Ich wohne gleich nebenan, an der Fasanenstrasse. Block, dritter Stock, Balkon in die Grünanlage. Wohnwand. Sehr nett. Aufgewachsen bin ich an der Wintersteinstrasse. Block, dritter Stock, Balkon in die Grünanlage. Wohnwand. Das war nicht so nett. Allein mit Mutter. Meinen Vater hab ich erst mit dreizehn kennen gelernt. In einem "Sixpack". "Sixpack" nannten wir damals den Kastenwagen. Hatte mit ein paar Freunden Baustellenlampenweitwurf gemacht. Gleich bei uns um die Ecke. Na, diese gelben Leuchten von der Baustelle. Wir fanden damals, sieht gut aus, wenn die durch den Nachthimmel fliegen. Wie eine Sternschnuppe oder so. Naja, ich war dreizehn. Wir waren wohl sehr beschäftigt mit der Schönheit des Augenblicks. Kann man das so sagen? Die Schönheit des Augenblicks? Naja. Jedenfalls sind wir dann verhaftet worden. Und weil schon ein paar Lampen zu Bruch gegangen waren, haben sie uns gleich mitgenommen. Fünf Stück in einem Sixpack. Fünf und ein Bulle, wie wir damals sagten. Und der Bulle, das war mein Vater. Das haben wir dann auf dem Posten gemerkt. Erstaunliche Geschichte, nicht? Naja. Ich hab dann noch ein paar Jahre da oben gelebt. Bei Mutter. Dann hat mich mein Vater auf die Polizeischule gebracht. Und jetzt bin ich raus und froh drüber. Jetzt bin ich in Unterhaching. Unterhaching ist nett.

MüHSAM

Wir sind Mühsam.
Wir sind die Zelle.
Wir sind die Schläfer.
Die Schläfer der Revolution.
Hasta la victoria!

Wir sind Mühsam.
Wir sind Schläfer.
Schlafwandler.
Wir sind Lunatics.
Wir sind die Revolution.
Unsere Revolution.

Wir sind Mühsam.
Extrem Mühsam.
Wir gehen auf die Nerven.
Wir sind da.
Wir sind der Stachel im Fleisch.

Wir sind Mühsam.
Wir fahren an die Maximilian.
Wir klauen Parkzettel. Nachts.
Das ist Mühsam.
Das ist Umverteilung.
Eigentum ist Diebstahl.

Wir sind Mühsam.
Extrem Mühsam.
Kriegt uns einer,
Kriegt er's mit der Angst zu tun:

ROT DAS BLUT UND SCHWARZ DIE NACHT!

Deine Angst ist unser Mut.
Wir sind Mühsam.

Erich Mühsam

Ich sag dir jetzt mal was. Was ihr da macht, dieses ganze Theater, das ist so was von für gar nix, Mann. Glaubst du, das bringt was? Glaubst du das? Scheisse. Seid ihr blöd oder was? Glaubst du, davon geht's mir besser. Wenn ich n bisschen Theater spiel hier. Scheisstheater Mann. Schwules Scheisstheater. Ich sag dir mal was Theater ist, du Stricher. Vor fünf Monaten - hörst du zu? ? vor fünf Monaten hat son Kanake mein Bruder umgeblasen. So. Knarre hier sauber an die Schläfe und pusten. So. Um. Aus. Amen. Mein Bruder. Verstehst du? Bumm. Scheisse Mann. Und weişt du warum das Theater war, weişt du's? Nein, du weişt es nicht. Weil alle haben zugeschaut. Alle haben's gesehen und keiner hat was gemacht. Der hat meinen Bruder mitten auf der Strasse hingerichtet Mann und alle haben zugeschaut. Aus den Fenstern, aus dem Laden und aus der Schule. Aus der Scheissschule Mann. Die Kinder haben da zugekuckt. Einfach so. So. Keiner hat was gemacht. Das war Theater Mann. "Mein Bruder und der Kanacke" hiess das Stück. Scheisse. Und jetzt kommt ihr hier und wollt mir was über Scheisstheater erzählen, ihr Pisser. Und mein Bruder? Spaziert er dann lustig vom Himmel runter und sagt Yo Bruder, alles klar? Tut er das? Haha. Tut er nicht. Pisser. Tut er nicht. Tut er nicht. Tut er nicht. Eben. Scheisse. Na, macht den Dreck. Macht ihn. Macht euren Scheisstheaterdreck. Bitte. Aber macht ihn nicht für mich. Interessiert mich nicht. Der Dreck. Macht den für euch. Scheisse.

Was?
Wasn?
Wasn Mann?
WAS!?!
WAS!?!
Is was Mann?
Is was?
JAAAAAA!
Dasn Fussball Mann!
N Fussball.
Kennst du?
Fuss ? ball!
Auf Deutsch:
FUSS ? BALL.
Kapischi?
Fuss. Hier. Fuss. Siehts du? Fuss.
Und hier: Ball. BALL
Rund. Okay? Rund.
Gut. Alles klar, Mann?
Alles klar?
So, Fussball.
Mann.
Oder hast du sonst n Problem?
Hast du?
Was Mann?
Was?
Dass ich ne Muschi bin?
Ist das dein Problem, Mann?
Dass ich ne Muschi bin, die Fussball spielt?
JAAAAA MANNN, TU ICH!
FUSSBALL MANN!
MUSCHIFUSSBALL!
Kapischi?
Jeden verfickten Tag spielt die Muschi hier Fussball, Mann.
Und die wird's zu was bringen, die Muschi.
Fussball ist ihr Leben, Mann.
Die hatn Leben Mann.
Fussball.
Kennste nich, was?
Muschifussball.
Kennste nich.
Pisser.
Muschi.

Ja, ein interessantes Thema haben Sie sich da ausgesucht. Das Hasenbergl. (Pause) Also, das Hasenbergl. Ich beschäftige mich eigentlich seit meiner Dissertation mit dem Hasenbergl. Auch mit dem Hasenbergl. Meine Dissertation hat den Titel "Urbane Usurpation. Strategien der Expropriation protourbaner Bedeutung. Ein Delirium unter besonderer Berücksichtigung des Grenzwerts 0." Das war vor fast dreissig Jahren. Stadtsoziologie war damals noch kein akademisches Exerzierfeld pseudoselbstreflexiver Intellektualität. Das war Pionierarbeit. Ich bin sozusagen mit dem methodischen Planwagen losgezogen, allein. Und dabei eben auch ins Hasenbergl gekommen. Dieser Ort ist bezüglich der reziproken Interaktion von Hetero- und Autoimagination, oder genauer: der diskursiven Konstitution georelevanter Identität einer der aufschlussreichsten in Deutschland. Insbesondere deshalb, weil dieser Prozess sozusagen doppelseitig sich vollzieht, das heisst einerseits zwischen Peripherie und Zentrum, als auch andererseits zwischen Kultur und Natur. Ich habe damals natürlich nicht versucht, letztgenannten mathematisch zu bestimmen. Es handelt sich bloss um eine mathematische Metonymie: Eine Kurve, die die Kulturalisierung eines Raumes beschriebe, wobei der Wert 0 den absoluten Naturzustand bezeichnen würde, würde sich diesem Wert 0 nur annähert, ihn aber niemals erreichen, was natürlich durch die Anwesenheit eines Beobachters begründet wäre. Gerade diese Anwesenheit ist aber genau Gegenstand der Untersuchung, worin sich das Dilemma wissenschaftlicher Betrachtung nahezu exemplarisch offenbart, gerade im Hinblick auf retrospektive Diachronizität, also Historie, also Geschichte. Und ist es zuviel gewagt, darin eines der grundlegenden Dilemmata autoreflexiver Menschlichkeit schlechthin zu vermuten? (Pause) Item. Der kulturellen Genese eines Ortes ist jedenfalls die Produktion von Bedeutung immanent - des genius loci meinetwegen -, die eben per se und zwar qua purer Existenz das, was sie nicht ist zwar über alle Massen negiert, sich aber davon nicht lösen kann und insofern eher einer katarraktischen Umwertung aller Werte, also Bedeutung, ist, Werte, die es ja gar nie gab und jetzt doch immer schon gegeben haben muss. Aber wo? Dieses Paradox bezeichnet der Grenzwert 0. Es zeigt sich nun, dass Orte, an denen sich dieses Paradox manifestiert, oder dynamisch gesprochen, es exekutiert wird ? und das Hasenbergl ist ein solcher Ort ?, und das ist jetzt mathematisch gesprochen, Singularitäten sind oder sagen wir alltagssprachlich: Sackgassen. Aber diese genuin mikrosoziologische Perspektive war nun nicht der Fokus meiner Dissertation. Im Gegenteil. Meine Reise in den Wilden Westen ? oder im Fall des Hasenbergl in den hohen Norden ? der Soziologie, hat, wie Sie sehen, durchaus transgeografischen Anspruch. Es war ein überflug, sozusagen. Eine Reis zum Mond. Oder hinter den Mond, wie sie wollen.

Sie versuchen immer noch, mich zu kriegen. Jeden Tag muss ich aufpassen. Weil sie wissen, dass ich stolz bin. Sie haben viele meiner Familie getötet. Darum wollen sie auch mich töten. Sie hassen uns. Darum müssen wir zusammenhalten. Meine Familie und meine Freunde. Und alle aus Kosova. Alle Albaner. Mein Bruder hat gekämpft mit der UCK. Alle Männer meiner Familie haben gekämpft. Mein Bruder hat mir eine Waffe gegeben. Ich war sieben. Aber wir mussten kämpfen. Sie haben unser Dorf angegriffen. Ich habe mich nicht versteckt. Ich habe gekämpft. Mit meinem Bruder. Er hat viele getötet. Sie haben auch viele getötet. Viele meiner Familie sind tot. Dann sind sie in unser Haus gekommen. Sie haben meinen Bruder und mich gefunden. Meine Mutter und meine Schwester waren im anderen Zimmer. Sie haben uns unsere Waffen weggenommen und uns festgehalten. Sie haben mich ausgelacht und geschlagen. Dann liessen sie mich in Ruhe. Meinen Bruder haben sie auch geschlagen. Sie haben ihn ausgezogen und ihre Zigaretten auf seinem Bauch ausgedrückt. Er hat geschrieen. Sie haben ihn wieder geschlagen und ihm gesagt, er soll still sein. Sie haben ihn beleidigt. Dann haben sie ihn nackt ausgezogen. Sie haben ihn zwischen die Beine getreten und gelacht. Sie haben ihn gefragt, ob er seine Mutter fickt und seine Schwester. Er hat nein gesagt und dann haben sie ihn härter geschlagen und getreten. Dann haben sie ihn wieder gefragt und er hat wieder nein gesagt. Dann sind sie in das andere Zimmer gegangen. Ich weiss nicht, was sie mit meiner Mutter und meiner Schwester gemacht haben. Ich habe nur gehört, wie sie geschrieen haben. Dann sind sie mit meiner Mutter und meiner Schwester zurückgekommen. Sie waren beide halb nackt und haben geblutet. Meine Mutter aus der Nase und dem Mund und meine Schwester zwischen den Beinen. Dann haben sie meiner Mutter gesagt, sie soll sich hinlegen und die Beine spreizen. Meine Schwester hat geschrieen. Dann haben sie meinem Bruder gesagt, er soll seine Mutter ficken. Er hat nein gesagt. Sie haben ihn gepackt und auf meine Mutter geworfen. Ihr Bein ist eingeknickt und ist gebrochen. Sie lag die ganze Zeit mit einem gebrochenen Bein da. Sie haben meinem Bruder das Gewehr an den Kopf gehalten und gesagt, er soll meine Mutter ficken. Meine Schwester hat immer noch geschrieen. Meine Mutter war ganz still. Meine Schwester hat laut geschrieen Dann haben sie sie erschossen. Es ging sehr schnell. Sie schrie, einer hat sich umgedreht und geflucht und geschossen. Er stand hinter ihr und hat sie ins Genick geschossen. Die Kugel ist bei ihrem Gesicht wieder herausgekommen. Beim Auge. Ich habe es gesehen. Ihr Körper kippte gegen die Wand. Dann hat er noch einmal geschossen. Sie fiel um und der Kopf ist abgefallen. Meine Mutter war immer noch still. Mein Bruder hat geweint. Sie haben gesagt, er ist ein Lügner, weil er gesagt hat, dass er seine Mutter nicht fickt. Und jetzt fickt er seine Mutter. Sie haben ihn gefragt, ob er schwul ist und er hat gesagt nein. Und sie haben gesagt, sie wissen dass er lügt. Dann haben sie ihm ein Gewehr in den Arsch geschoben und ihn gefragt, ob er schwul ist. Er lag die ganze Zeit auf meiner Mutter und hat sie gefickt. Er hat nein gesagt und dann haben sie gesagt, er ist ein Lügner und haben geschossen. Es gab ein dumpfes Geräusch. Sie haben gelacht. Sie haben gar nicht geschaut ob er tot ist. Sie haben mich gefragt, ob ich alles gesehen habe und mir gesagt, ich bin ein Hurensohn. Dann sind sie gegangen. Mein Bruder lag immer noch auf meiner Mutter. Er ist tot. Meine Mutter hat aus dem Bauch geblutet und war ganz still. Später sind Leute gekommen und haben uns geholfen. Dann haben wir Kosova verlassen und sind nach Deutschland gegangen. Ins Hasenbergl. Unsere Wohnung ist die, mit der Fahne am Fenster. Man sieht sie die ganze Strasse hoch. Ich liebe Kosova und kämpfe für meine Heimat. Ich bin stolz, deshalb hassen sie mich. Ich habe keine Angst vor ihnen. Ich werde sie töten, wie sie meinen Bruder und meine Schwester getötet haben. Wir müssen zusammenhalten für Kosova. Meine Mutter kann immer noch nicht gut laufen, wegen dem Bein.

Schau mal, Hip Hop dieser Hip Hop heute, das ist Scheisse. Gangstascheisse. Das ist Kinderkacke. Kommerzkinderkacke. Gib mir nen rime auf cool, auf too cool, Mann. Der rime auf too cool ist old school, Mann. Fertig. Mehr brauchste nicht. Einfach bleiben. Real bleiben. Alles selber machen, das isses, Mann, dein eigenes Ding, Bronx. Alte Platten hamwer keine. Woher. Wir haben tapes. Old tapes. Riiiiiiily old tapes, Mann. Und die scratchen wir. Wir scratchen tapes. Haben Recorder aufgerissen und jetzt können wir scratchen. Das ist unsere Technik. Unser Ding. Das kann keiner sonst. Fertig. Old school, Mann. Kannste haben, Mann.

Bunny!
Bunny!
Bunny!

Bunny!
Hill!
Bunny!
Hill!

Bunny! Bunny! Bunny!
Hill! Hill! Hill!
Bunny!
Hill!
Bunny!
Hill!
Bunny! Bunny! Bunny!
Hill! Hill! Hill!

Yeah Yeah

Bunny!
Bunny!
Bunny!

Bunny!
Hell!
Bunny!
Hell!

Bunny! Bunny! Bunny!
Hell! Hell! Hell!
Budy!
Hell!
Budy!
Hell!
Bunny! Bunny! Bunny!
Hell! Hell! Hell!
Budy.

Yeah. Old school.

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Interviewpack 4 (Lars)

Perla (16)
Hi ich bin perla, ich habe 16 jahre alt und habe ein freund in cotedivoire, ich liebe ihn aber ich kann ihn nicht sehen weil er ist weit weg und darf nicht herkommen, und jetzt ich hab viel angst wegen krieg und so in cotedivoire und einmal ich möchte ihn heiraten, ich möchte gern aber hierbleiben weil ist schön in münchen eine wirklich schöne stadt, nette leute und ich habe soo viele freunde alle meine freundinnen aus der schule wir gehen viel in die stadt rein weil mein vater in einer discothek arbeiten, können wir immer wieder tanzen und lustig sein zusammen und trinken dürfen wir dann frei, ich habe liebe frau auch von sozialwerk da wo ich hingeh wenn ich habe probleme mit mir, aber eigentlich geht es mir viel besser jetzt vorher nicht weil krieg und hunger in cotedivoire ich bin muslim und wir haben nicht gleiche rechte in cotedivoire find ich nich so gut weil wir sind ja auch menschen und susanne sagt auch zu mir immer jeden tag musst nicht haben angst und so vor männer du kannst eben auch gleich gut alles, viel von meine freundinnen sagen warum wartest du auf deinen suhan du musst doch haben hier freund aber ich bin soo glücklich dass ihn gibt ich kann warten und einmal wird ich ihn schon wieder sehen, ja auch jungs und so machen mich an und so aber ich halte dann mein amulett von suhan fest in der hand und mir nichts passieren weişt du...

mohammed (19)
Servus
Was wollts ihr von mir.
Wir sind Sch.Int. machen das und das blabla...
Ah so
Was machst du gerade?
Nix (lacht)
Ah ja
ich warte auf meinen Freund.
Hast du ein bisschen Zeit, uns über dein Leben zu erzählen.
Ja klar hab ja sonst nichts zu tun. Ich bin im Hasenbergl aufgewachsen, d.h. nein ich bin mit drei erst aus Kroatien hierher gekommen mit meinen Eltern und 4 Brüdern und 2 Schwestern. Und mein Vater hat Arbeit bei Bmw wie mein Onkel 3 von meinen Cousins und meine beiden älteren Brüder Sim und Krijan sind auch dort. Und meine jüngere Schwester macht die Lehre. Mein Vater hat eine Invalidenrente aber meine Mutter arbeitet ja auch. Was denn
..sag ich nicht!
wie bitte?
Nein egal. Ich bin so froh mal mit anderen zu sprechen. (lacht) Und ihr sagt's ja nicht weiter. Wisst Ihr Sie ist eine sehr schöne Frau und uns fehlt's an Geld... Das heişt sie geht anschaffen.
Komm hört auf, Ihr Hirnlosen. Ja!! Und? Ich weiş jedenfalls wer mein Vater ist.
Was verdient sie denn so im Monat dazu?
Sie geht ja nicht jede Nacht weg aber so 5-6000 euro werdens schon sein.
Euro? Das ist aber viel Geld oder?
Bei uns ist es eben so dass wir Kinder alles bekommen was wir wollen ich hab zum Beispiel letzte Woche mein erstes Auto bekommen zum Geburtstag ich bin 19
Wie viele seid Ihr in Eurer Wohnung?
Nur noch 3
Die Anderen sind alle weg
Mein ältester Bruder ist zurück nach Split, Offiziersschule.
Meine ältere Schwester Bima hat vor fünf Jahren einen reichen Mann in Belgrad geheiratet sie ist jetzt 20 hat 2 Kinder
Meine anderen Brüder haben eigene Häuser und Familien.
Was machst du gehst du zur Schule?
Nein fertig (lacht)
Ja was machst du denn jetzt?
Ja eben nix ich brauch ja nicht arbeiten solang ich zuhause bin, hab ich doch gesagt!!!

ANEKDOTE
Mario, Tschetschene (Name, Herkunft und Geschlecht von uns geändert)

Psst du darfst es niemandem sagen aber ich habe drei Granaten, zwei Uzzis mit 2000 Schuss Munition und eine Stinger im Kühl-Schrank...

Hausmeister
[...] Wer sind sie?
Ich bin Hausmeister in der Wintersteinstraşe 136, ich habe viele kleine Kinder schon vor Schlimmerem bewahrt, ja weil ich helfe, wos immer geht. Man muss auch mal ein Auge zudrücken weil die hier es einfach schwerer haben. Mit Gottes Hilfe schaffen wir es. ähm ja. Was wollt ihr denn gerne wissen.
Ja, ob Sie ob Sie äh auch richtig Kontakt haben zu den Kindern, Ausländern, sozial Schwachen?
Ja sag ich ja
Nein wir meinen wie weit geht denn der Kontakt als Hausmeister? Ist es so ... sprechen die von ihren Problemen die sie haben, wie helfen sie, äh oder werden sie beim Vornamen angesprochen oder so? Ja also hören sie wir nennen uns alle beim Vornamen ich bin der Armin. Ich bin so was wie die hasenberglfeuerwehr, klar kommen sie manchmal auch leicht verletzt oder wenn jemand jetzt nicht nach hause kann wegen z.B. den Schulnoten dann kann er oder sie auch bei uns übernachten und ich mach das dann klar mit den Eltern, ich habe auch schon verwandte angezeigt, wenn sich, einmal hat sich ein kleiner junge, ein Kurde verliebt in eine aus Dubrovnik, gut die war auch noch zu jung aber dem jungen sein Cousin hat ihn so verprügelt sollte ein Denkzettel sein, dass ich den Cousin einfach anzeigen musste, das hat jetzt für ein halbes Jahr ruhe gegeben und jetzt muss man schauen. Das schöne ist dass selbst die harten mich respektieren das haben sie gelernt und das ist doch gut so, die wissen nämlich dass ich ihre wahre schwäche kenne, klar lachen sie über meinen glaube dass ich immer mit dem Herrgott komme, aber vielleicht merken sie auch tief im innern, dass das gar nicht so blöd ist, die haben ja auch einen glauben. Ja, klar super interessant, ähm, jetzt noch eine frage bei uns ist es immer so ein Thema die Skepsis der Leute, ähm, wie ist es, wird ihnen die nähe zu Kindern nicht auch schon mal vorgeworfen, weiş nicht Leute die glauben, dass sie was mit Kindern machen was man nicht tun darf? Sie meinen sexuell?!!! (Lacht lange) nein NEIN! Ich bin doch glücklich mit Monika verheiratet. Aber sie werden staunen, es kam mal eine vom amt vorbei weil sie geglaubt haben dass da was ist, aber die Person arbeitet jetzt nicht mehr hier. Gibt es Drogen?
Ach hören sie doch auf das regt mich auf da kommen immer wieder die art Leute zu mir wie sie oder Medienleute die haben so eine verquere Vorstellung von hier, düstere gefährliche Gegend und so. Es ist überhaupt kein Problem. überhaupt kein Problem hören sie einfach auf das geht mir jetzt auf den sack, wirklich, revidieren sie erst mal ihre Meinungen. Nie nie nie habe ich Heroin Haschisch oder Cocain hier gesehen. Nur Autos Uhren Kleider ein bisschen Alkohol, Handys.
Lassen sie mich in Ruhe. Servus

Patricia (17)
Aborigenee, spricht nach 5 Jahren in Deutschland ein ausserordentlich gutes Deutsch

Hey was macht ihr mit dem Mikrofon?
Nur so. kucken rum. nichts Besonderes... ähm... ja vielleicht können wir dich was fragen einfach so aus Interesse? Interesse? S'gibt nur Langeweile. Egal wo du bist egal ob hier oder woanders. Wahrscheinlich seid Ihr Medienleute oder Soziologen oder am Ende Künstler mir egal. Ich jedenfalls find es schrecklich mich zu langweilen. Ich langweile mich in der Schule, in der Wohnung, vor dem Fernseher, ich schreibe einen Roman über meine Heimat und selbst da langweile ich mich. Ich habe über 500 Bücher im Gestell, alle gelesen, eigentlich interessante Bücher, aber es war mir immer langweilig dabei. Ich sehe Prügeleien auf der Strasse, werde angemacht, das volle Programm klar, finde das auch einfach nur langweilig. Ich gehe zu den Helfern, der Sozialarbeiterin oder zu Susanne zum Beispiel, zur Therapie, zur Berufsberatung, zur Familientherapie und was sonst noch an "Kursen" alles angeboten wird, gebe so die Lichttaler so schnell wie möglich aus. Logisch. Aber was für ein Schwachsinn der Dressurversuch eigentlich ist, geht keinem der Verantwortlichen durch den Kopf. Wie ist denn deine ganze Lebensgeschichte genau? Magst du uns erzählen wie du hergekommen bist, was der Grund dazu war, und wie dein Verhältnis zu deinem Land ist? Pass auf, Kurzfassung Herkunft, das muss reichen: mein Urgrossvater war der beste Fährtenleser Waas wirklich?
Ja sowas kennst du nicht? ja, in den Northern Territories... Ja, das ist Australien, Ja, Kängurus, Kiwis, ja gut das nicht, Koalas und Kookaburrahs, genau, das ist da wo die Aboriginees wohnen. Digeridooh, genau, Idiot. Er, mein Urgrossvater hat's mir noch beibringen können, mein Grossvater ist Terry Riley der in den 50ern den Mörder Ben Bigley im Busch aufgespumlrt hat: jaaaa (Pause, sie lässt die Informationen wirken) Wow
Ach (regt sich über meine Reaktion auf) Aber jetzt - gestern! - fragt man mich tatsächlich: ich weiss nicht, wie der Polizeiabschnitt an mich rankommt, wahrscheinlich hat Susanne getratscht - jetzt fragt man mich, ob ich für Fahndungen im Hasenbergl zielführende Informationen sammeln könne. OoooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooLangweilig. Ich fass es nicht. Es wird kaum mehr lang dauern bis sie mich in Pullach zu engagieren versuchen. Die Langweiler!!!!! (lacht) Weil sie im "Kampf gegen den Terror" nicht weiter kommen (lacht) Aber ich versteh das nicht, das ist doch unglaublich spannend alles.
Ooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooh
Langweilig! Lest mein Buch wenn's raus ist und's es euch dann noch interessiert...
Gibt es denn besondere Förderprogramme für Leute wie dich?
Du meinst für Hochbegabte? In Pasing ja - sollt ich hin, ist mir zu langweilig diese Heuchelei. Seltsam, alles was ich mach und alles um mich rum ist langweilig, ihr aber seid seit langem die Spitze der Langweiligkeit. Kommst du zu bunnyhill, in the ghetto blingbling, unserem Rechercheabend aus Hasenbergl nächsten Donnerstag. Klar. 8 uhr?

checker (*1983)
Soll ich Dir was sagen du bist der kleine bruder deiner mutter, mann, du hast krasse schuhe, hab ich auch schon getragen, mann, aber total out, mann, du musst die anziehen, das ist credible, voll nich america, ey, nike ist mullah-out, h&m son scheiss, mann, ich zieh jetzt ..., das ist new-style, nur noch schoos ausm ostblock an, mann, russische sneekers, das ist cool die machen zwar auch auf america aber halt nur nachgemacht voll imitiert, das ist krassgeil, eh, aber zu uns ihr wollt ja von mir was wissen klar? erstens wir haben kein bock mehr auf verhaun, wir sind ne fullmetal-coole-community, mann, ich mach eh mit meinen b'ngees alles, den ganzen tag und die nacht wenn du willst, mann, auch musik. Grade mach ich die boosts für sony, ja die prinzen rappen dann drüber aber mir egal, ist ne gute aufgabe, musikalisch mein handwerk lernen, du musst immer weiterlernen, hast nie ausgelernt, mann, das is mein credo, dann eh das eigene label, wir müssen auch unsere grooves unter die leute bringen läuft grade mega, jou mann - ich finds geil noch da zu sein im hasenbergl, bin so der letzte mohikaner für meine brothersisters, der letzte im hasenbergl, die sind alle weg in neuhausen undsoweiter aber ich bleib eben da im hasenbergl, eben vollgeil, - viel arbeit hab ich sowieso, morgens 5 ins bett jeden tag weil ich immer noch was fertig machen muss auf meiner festplatte, und klar dann 10 aufstehen wegen radio,... ja mach einmal die woche mit kris onair labern und so die halbe stadt nein die ganze stadt (also klar die jungs und mädels), hören mir zu wenn ich von meinem leben erzähl, weil das eben voll in ist so authenticity, die sind eben auch müd immer den gleichen peinlichen pseudostuss von oberpeinlichen teenmoderatoren zu hören mit den sexistischen sprüchen am telefon, mann bissel musik und quizdreck , weişt eh. geld ist im moment kein mainact, maniac, bin erfolgreich genug ? sony soll besser zahlen, klar, dass ich irgendwann out sein kann, familie, treue, kinder, natur, viel platz, schottland und vielleicht finnland oder ne coole gegend im ostblock mit bären, wölfen bisons, ey mann[...]

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Ein Foto zum Stück

Ghetto