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Chants et danses au temps de la lutte des classes 10 Arbeiterstammtische
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Chants et danses au temps de la lutte des classes
10 Arbeiterstammtische
Plongeons - nous dans une époque que l'on croyait révolue depuis longtemps. Eine Zeit großer Entbehrung und Leid als Arbeiter einstanden für die moderne Gesellschaft im ständigen Kampf gegen das Großkapital. Traditionelle Teleworker, Freelancer, Schwarzarbeiter-innen, Arbeiterinnen auf Abruf, Callcenteragents u.v.m. treten auf. Le temps du Outsourcing, du Franchising et des restructurations reßurgit devant vos yeux. Prêtez l'oreille aux chants des exploités, qui n'avaient pas compris qu'ils étaient des exploités. Betrachten Sie, wie das Bür-gertum die Arbeiterklaße besänftigte, indem es ihr die Attribute der Bourgeoisie auslieh und ihm täglich von ihrem Elend ablenkende Liebesgeschichten gab. Schauen wir zu, wie der Staat vom Groß-kapital erpreßt wurde. Conflits de travail, amour et sacrifice en 10 épisodes. In 10 Folgen.
Herzlich willkommen zu einem bemerkenswerten Ereignis. Ich freue mich und bin stolz, ihnen ein außergewöhnliches Ereignis ankündigen zu können: Die Präsentation der Seifenoper "Chants et danses au temps de la lutte des claßes. Zehn Arbeiterstammtische. "Ein sperriger Titel gewiß. Ein sperriger Titel von sperrigen Künstlern? Vielleicht. Aber vielversprechend. Schauplatz International hat sich - und das ist ebenso mühselig wie verdienstvoll - einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Zivilisation angenommen: Dem Zeitalter des Klaßenkampfes. Ach, der Klaßenkampf! Welche Geißel der Menschheit! Die Zeit, als die Arbeiterklaße und die Bourgeoisie einander unerbittlich bekämpften, bekämpften bis aufs Blut. Eine furchtbare, unmenschliche Zeit. Erinnern wir uns: Eine Zeit der Entbehrung, des Haßes, der Unterdrückung, der Verzweiflung. Die Arbeiterklaße wird getreten und ausgebeutet, sie lebt im Elend. Wie soll man mit so wenig Geld so viele harte Tage hinter sich bringen? Mit hartem Brot und dünner Suppe? Wo die Bourgeoisie, die herrschende Klaße in überfluß und Zerstreuung lebt, keine materiellen Sorgen kennt und den armen Arbeiter außaugt bis aufs Blut. Sie treibt den Arbeiter vor sich her mit flexiblen Arbeitszeiten, mit Kündigungen und Profitcentermanagment, auch Frauen, auch Kinder. Ja, auch Kinder, wir können es uns heute nicht mehr vorstellen, wir wagen es nicht. Der Arbeiter, eine beßere Maschine, oder eine schlechtere, wie man will, eine billigere. Die Maschinen unterwerfen den Arbeiter, die Bildschirme, die Tastatur, das Telefon, die Turbine. Er riskiert sein Leben, seine Gesundheit an der Maschine und nur, weil hinter ihm schon der nächste auf seinen Arbeitsplatz wartet, ein Konkurrent, ein Unternehmer wie er, kein Kapitalist, sondern ein Unternehmer seiner eigenen Arbeitskraft. Und wozu? Damit die herrschende Klaße, die im Besitz der Produktionsmittel ist, sich bereichern kann an der Arbeit der andern, mehr und immer mehr. Und der Arbeiter hat all dies nicht bemerkt. Beschäftigt mit den Mühen seines alltäglichen Lebenskampfes bleibt ihm der ausbeuterische Charakter der Verhältniße verborgen. Er läßt sich ablenken und unterhalten um sich seines Elends nicht bewußt werden zu müßen und wenn doch, dann hat er nicht die Kraft, sich dagegen zu wenden, ja noch nicht einmal eine Idee, wie das anzufangen wäre. Darum geht er lieber zum Fußball, ins Theater, schaut fern, am liebsten Seifenopern, trinkt. Und wenn er sich einmal erhebt, wenn er aufsteht und protestiert, gar streikt, wenn ihn der Hunger zu einer Emeute treibt, dann wird ihm die Härte seines Schicksals unerbittlich vor Augen geführt. Es wird scharf geschoßen. Es gibt Tote. Der Klaßenkampf ist ein Klaßenkrieg. Ein Krieg! Nichts anderes. Wollt ihr den totalen Krieg, nein, Kampf, Klaßenkampf, haben sie gefragt! Diese verdammten Kapitalisten! Diese Schweine! Kriegstreiber! Menschenverachter! Verbrecher! Ausbeuter! Diebe! Mörder! Arschlöcher! Eine furchtbare Zeit. Ich sage es noch einmal: Eine furchtbare Zeit! Aber sie ist vorbei. Vorbei und vergangen. Ein Glück! Wir können uns wirklich glücklich schätzen. Wir sind längst in eine neue Phase eingetreten. Es herrscht Wohlstand und Frieden. Arbeitsfrieden. Unser Arbeitsfrieden! Eine kulturelle Errungenschaft von unermeßlichem Wert. Möge er ewig halten. Versöhnt sind die Klaßen, sie arbeiten zusammen. Ja, gibt es sie überhaupt noch, die Klaßen? Wir sind uns doch alle verbunden im guten und schönen Projekt, das Wohlstand heißt. Jeder einzeln, jeder für sich und doch alle zusammen. Wir gehören keiner Klaße mehr an. Wir sind uns selbst genug. Der Klaßenkampf, diese finstere Zeit, ist vorbei! Und es ist Zeit, aus diesen Zeiten Kunst zu machen. Schwelgen wir in Nostalgie, werfen wir einen Blick zurück in Frieden. Führen wir uns vor Augen, wie gut es uns geht. Es ist nicht mehr wie damals. Diese Halsabschneider! Kanaillen! Gesindel! Pack! Scheißbesitzbürger! Scheißkapitalisten! Der Klaßenkampf ist ein dankbarer Stoff. Die Künstler von Schauplatz International haben sich ihm mit "Chants et danses au temps de la lutte des claßes. Zehn Arbeiterstammtische"angenommen. Dafür gebührt ihnen mein Dank und, meine Damen und Herren, ihr Lob! Applaus!
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