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Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster







INDEX:

Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster
Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster, English short version
Die Rutschung von Falli Hölli
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Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster



"Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster" beleuchtet die Funktion von Katastrophen im gesellschaftlichen Zusammenhang, insbesondere in Bezug auf die Konstitution von normativer Wirklichkeit. Was nützt welches Bild, d as wir uns von Katastrophen machen, und wem? Welche Katastrophen nehmen wir wahr, welche nicht?

Die Wirklichkeit der Katastrophe als Vernichtung lässt eine unversehrte Wirklichkeit eigentlich nicht zu, ausser sie habe mit der Katastrophe nichts zu tun. Die Katastrophe ist insofern die pure Verneinung der Norm, das Aussergewöhnliche schlechthin, die Anomalie. Gerade dadurch aber erfüllt sie eine entscheidende Funktion für das, was als das Normale gilt, das sich gerade auch durch die Negation der eigenen Negation, der Vernichtung, konstituiert.

Dieser intimen Beziehung zwischen Norm und Anomalie entspringt eine seltsame und makabere Faszination für das, was nichts anderes ist als die Verneinung dessen, was ist: Die behauptete Schönheit des Schrecklichen. Ein Topos, der sich wie ein roter Faden durch die abendländische Kunstgeschichte zieht und der bei der Vermittlung aktueller Katastrophen nach wie vor breite Verwendung findet. Dabei wird das Gefälle zwischen Wirklichkeit und Verarbeitung von Wirklichkeit deutlich: Die Vermittlung von Katastrophen arbeitet an deren Auslöschung, an der Vernichtung der Vernichtung und konstituiert damit Wirklichkeit. Normative Wirklichkeit. Und darin besteht eben die Funktion der Katastrophe. Wie also sieht eine Katastrophe aus, die die Welt verändert? Und wie tut sie das? Oder wie lässt sie die Welt genau so, wie sie ist? Wie erregt eine Katastrophe Mitleid, wie Schrecken? Und welche Katastrophe ist schön?

Auch uns hat es einmal getroffen. Schauplatz International ist eigentlich in einer Katastrophe entstanden: In Falli Hölli. Der Fall von Falli Hölli (siehe unten) ist für alle Beteiligten am Stück, im Nachhinein betrachtet, zum entscheidenden Erlebnis geworden, das sie auf ihren jeweiligen Weg gebracht hat und der hat sie alle zu Schauplatz International und zuletzt zu diesem Stück geführt.

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Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster, english short version


Atlas of Catastrophes - The Beauty of Desaster throws light on the function of catastrophes in social connection, particularly relating to its constitution of normative reality. Which picture that we imagine of catastrophes is useful to whom? Which catastrophies do we perceive, which not? what do we regard as catastrophical, what not? From what are we frightened? What do we consider horrible, what beautyful? The answers on such questions could give quite exact descriptions of what is unaffected by the catastrophe, to say of us.

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Die Rutschung von Falli Hölli

Die Behörden wussten es, die Bauherren wussten es, die Bevölkerung hatte es immer gewusst: Der Hang von Falli Hölli war rutschgefährdet wie so viele andere Hänge im Freiburger Flysch-Gebiet. Und so wunderte sich kaum jemand, als im Mai 1994 ein Chalet in bedenkliche Schieflage geriet. Einen Monat später war klar, dass 37 Chalets und Häuser nicht mehr zu retten waren und dass hier eine gigantische Geländerutschung stattfand, europaweit die grösste in bewohntem Gebiet. Die brüske Aktivierung der Grossrutschung Falli Hölli Anfang Mai 1994 verursachte in den Freiburger Voralpen (Gemeinde Plasselb) Schäden von ca. CHF 15 Millionen an den Gebäuden. Die Rutschung erstreckte sich an der Westflanke des Schwybergs zwischen 1610 m ü.M. (Anriss) und 1000 m ü.M., wo der Höllbach temporär gestaut wurde. Das Rutschvolumen wird auf 40 Millionen Kubikmeter geschätzt. Falli Hölli befand sich in der Gurnigeldecke, die vorwiegend aus Flysch besteht. über diesem Gestein wurden mächtige Quartärssedimente abgelagert (Moränen und oberflächliche Ablagerungen), die den Hauptteil der Rutschmasse ausmachten. Die Verschiebungsmessungen wurden mit Theodoliten und GPS (Global Positioning System) durchgeführt. Maximale Geschwindigkeiten von 6 m/Tag hat man Anfang August gemessen. Die Feriensiedlung Falli Hölli hat sich im Ganzen fast 200 m talwärts verschoben. Mit Klinometersonden in den Bohrlöchern konnte man die Tiefe der Gleitflächen feststellen: Neben dem Restaurant wurde die Hauptgleitfläche in 37 m Tiefe gemessen. Aufgrund dieser Feststellung musste man die Hoffnung aufgeben, den Hang mit Sanierungsmassnahmen zu stabilisieren. In den drei Bohrkernen fand man verschiedene Holzreste, die man mit der Radiokarbonmethode datieren konnte. Aus diesen Resultaten konnte man schliessen, dass das Ereignis 1994 eine Wiederkehrperiode von zirka 1000 Jahren haben dürfte. Die komplett zerstörte Feriensiedlung wurde zum Teil kompostiert, um das Gebiet im Frühling 1995 zu rehabilitieren. Mit einer ungewöhnlichen Methode: Organische Stoffe - Holz, Textilien usw. - wurden zerhackt und als Kompostmaterial verteilt, das dann langsam verrottete. Zerkleinerte Backsteine und Beton hat man für die Wiederherstellung der Strassenverbindung genutzt. So hoffte man, den originellen Reiz der Region wiederherzustellen. Wanderer und Pilzsammler konnten sich bald wieder frei bewegen. Aber gebaut wird wohl nie mehr im Falli Hölli. So bleibt das Rutschgebiet nur noch eine schlechte Erinnerung.

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