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Der Superasylantenslam. Château Europe 1






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Château Europe 1 - Der Superasylantenslam!
Château Europe 1 - Der Superasylantenslam!, English short version
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Stoff
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Château Europe 1 - Der Superasylantenslam!



Das erste, was Asylsuchende in der Schweiz tun müssen, ist vorsprechen. Asyl kriegt, wer eine glaubhafte Geschichte überzeugend performt. Nur die Besten gewinnen. Eine Castingshow! Ein Slam! Slam heisst schlagen. Und wenn das Schweizer Asylwesen auf der These der reinen Wahrheitsfindung aufbaut, dann will Schauplatz International dem in Nichts nachstehen: geprobt wird eine echte Befragungssituation unter dem kritisch prüfenden Blick eines geladenen Experten, mit Flipchart, Bruder Klaus und einer Fülle von recherchierten Originaltönen. Wenn das nicht reibungslos und wie am Schnürchen klappt, dann liegt das an der durchschlagenden Affinität von Theater und Asylwesen. Was Schauplatz International betreibt, ist zwar irgendwie Theater, aber eigentlich die Wirklichkeit, und die liegt auf der Bühne wie ein Objekt auf dem Seziertisch. Herauspräpariert werden erstaunliche Facetten der schweizerischen Migrationspolitik, die innere Logik des Asylwesens, insbesondere des bürokratischen Systems, durch das Asylbewerber geschleust werden. Mit : Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Martin Bieri, Matthias Wyder und Gästen

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Château Europe 1 - Der Superasylantenslam!, English short version



The first thing that persons seeking asylum have to do is an audition. They grant them asylum, when a credible story is performed in a convincing manner. Only the best will win. A Castingshow! A Slam! To slam means to beat, to hit, to slap, to smack, to punch, to kick, to knock! And when the swiss burocracy is founded on the thesis of establishment of the truth schauplatz international is that bureaucracy's equal in every way. A real situation of questioning under critical searching look of an invited expert, with a flipchart, Bruder Klaus and with a bunch of researched original soundtracks.

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These

Das Asylwesen ist sehr unterhaltend. Das erste, was Asylsuchende in unserem Land nämlich tun müssen, ist vorsprechen. Sie erzählen ihre Geschichte und hoffen, es werde ihnen geglaubt. Was natürlich davon abhängt, wie gut sie sind. Toll! Dramatische Erzählungen herzergreifend dargeboten. Eine Castingshow! Ein Slam! Hurra! Da wollen wir auch mitmachen! Leider haben wir kein rasend tragisches Leben hinter uns - folgender Art etwa: "Alles gut, alle glücklich, dann nachts plötzlich Männer mit Gewehren, alle schreien, alle tot, Flucht zu Fuss ohne Geld ohne nichts über die Grenze, gefährlich, alle böse, ohne Ticket aufs Schiff, völlig überladen, gefährlich, gefährlich, Ankunft, keine Ahnung wo, wieder alle böse, etc. - macht doch nichts, hier ein paar Tipps: (Wenn sie ein Megaphon verwenden, sollten Sie vorher die Polizei informieren.)

1. Setzen Sie sich an einen Ort, an dem Sie nicht gestört werden, und verbinden Sie sich die Augen. Bleiben Sie so fünf Minuten lang sitzen. Nehmen Sie die Augenbinde ab und öffnen Sie die Augen. Denken Sie darüber nach, wie Sie sich mit verbundenen Augen gefühlt haben. Ein Flüchtling kann mehrere Stunden versteckt im Dunkeln zubringen müssen in ständiger Angst, entdeckt und getötet zu werden. Er ist dieser Situation hilflos ausgesetzt.

2. Gehen Sie zwei bis drei Minuten lang herum, indem Sie Ihr rechtes Ohr mit Ihrer linken Hand und Ihren linken Fussknöchel mit der rechten Hand halten. Machen Sie sich bewusst, was Sie in diesen Minuten durchlebt haben. Flüchtlinge erfahren diese Form der Einschränkung und der Gewalt stunden-, monate- oder jahrelang.

3. Finden Sie einen ruhigen und bequemen Platz, an dem Sie nicht gestört werden. Versuchen Sie sich an eine Situation oder eine Begebenheit zu erinnern, bei der Sie mit einem Verlust konfrontiert wurden: Verlust eines Gegenstandes, der Ihnen lieb war z. B. Versuchen Sie mit dieser Situation verbundene Erinnerungen und Gefühle noch einmal zu durchleben. Denken Sie über diese Erfahrungen nach. Viele Flüchtlinge haben praktisch alles verloren: ihre Heimat, ihr Haus, ihre Freunde und ihre Familie.

Haben wir diese übungen ohne psychische Beeinträchtigungen überstanden, sind wir bereit für den Superasylantenslam. Auf geht's! Jeder kann gewinnen! Aber nur der Beste wird gewinnt! Slam heisst übrigens schlagen.

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Stoff

Europa habe, so heisst es, ein Immigrationsproblem von schier apokalyptischem Ausmass. Der Ansturm der Fremden stelle eine schicksalhafte Gefahr für Recht, Ordnung und Wohlstand dar. Er müsse - natürlich unter Achtung der grossen humanitären Tradition Europas, die es allerdings neu zu definieren gelte - unbedingt aufgehalten werden. Ansonsten drohe eine Krise, vielleicht sogar eine Katastrophe, sollte diese nicht schon längst ihren Anfang genommen haben.

Die unter dem Begriff Immigrationsproblem zusammengefassten Sachverhalte liessen sich jedoch - und das kaum mit geringerem Erkenntniswert - in andern als diesen mehr als bloss tendenziell fremdenfeindlichen Kategorien beschreiben, etwa als ökonomischer Widerspruch - mithin als Klassenproblematik. Gerade im konkreten Umgang mit "dem Fremden" zeigen sich in der Wahl der Beschreibungsmodi eklatante Verzerrungen der Realität, die die sogenannte Einwanderungskrise eher als Krise der Wahrnehmung erscheinen lassen. Die Nachhaltigkeit dieser Krise der Wahrnehmung "des Fremden" deutet allerdings darauf hin, dass es sich dabei weniger um eine eigentliche Krise als viel mehr um eine Konstante handelt: "Das Fremde" scheint prinzipiell "das Böse" zu sein, was nicht erstaunt, geht man davon aus, dass sich Identitätsbildung hauptsächlich als Differenzkonstitution vollzieht. Natürlich erzeugt diese gesellschaftliche Wahrnehmung "des Fremden" eine gesellschaftliche Hierarchie, sicher nicht zum Vorteil "der Fremden" - ein unhaltbarer Zustand.

Der Superasylantenslam eignet sich die herrschenden Formen öffentlicher Wahrnehmung "des Fremden" an. Den Asylsuchenden wird vorgeschlagen, sich dieser diskriminierenden Praxis nicht zu unterwerfen, sondern sie sich im Gegenteil zunutze zu machen. über Wirkung und also Wahrnehmung entscheiden aber vor allem Vorgänge performativer Natur, ein Umstand, der geradezu einlädt, entsprechende Wirkungsstrategien zu entwickeln. Der "Wert" Asylsuchender auf dem Markt der öffentlichen Meinung (und dazu zählt schon jene des Diensthabenden in der Empfangsstelle) dessen gängigste Zahlungsmittel Glaubwürdigkeit, Sympathie und Empathie sind, hängt von performativen Qualitäten ab: Können über Herkunft und Fluchtgründe plausible Angaben gemacht und kann diese Plausibilität reproduzieren werden? Ist die Legitimität des Begehrens nachweisbar? Kann ein gesetzeskonformer Lebenslauf glaubhaft gemacht werden? Können sich die fraglichen Personen - und das ist das Zauberwort der schweizerischen Ausländerpolitik -, können sie sich integrieren? Wissen "die Fremden" einmal mit den für sie existenziellen Erwartungen der öffentlichkeit umzugehen, wird ihnen das Leben in der Fremde leichter fallen. Mit dieser gut gelaunten Umkehrung der Perspektive, wird die perfide Absurdität der schlecht gelaunten und menschverachtenden Praxis kenntlich gemacht: Der Skandal, sich das Recht auf Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit sowie Schutz und Hilfe durch Gefallen verdienen zu müssen.

Mit dem "Superasylantenslam" führt Schauplatz die in "9/11 - The Trial", "Attacke- Szenen des Widerstands" und vor allem "Free Keiko, the Orca. Der Wal, der Willy spielte. Was ist echt, natürlich, frei?" eingeleitete Debatte zur Herstellbarkeit von Authentizität und Wahrnehmungspolitik weiter. Das inhaltliche Anliegen schlägt sich im formalen Vorgehen wie folgt nieder.

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Form

Ein Slam besteht aus nacheinander folgenden Beiträgen, die bewertet werden. Ein moderner Dichterwettstreit, ein Ringen um Aufmerksamkeit, ein Anlass also, an dem das neue Bürgertum sich kreativ gibt, gute Geschichten erfindet um zu unterhalten und um zu gewinnen. An dieser Form orientieren wir uns: Die Selbstbehauptung vor dem Mikrofon, der Kampf um Aufmerksamkeit, das Ringen um Brillanz und Glaubwürdigkeit.

Nun weisen auch die verschiedenen Befragungssituationen, die Asylsuchende im Verfahren durchlaufen, in hohem Grad performativen Charakter auf. Sie sind also einem Vorsprechen - und damit dessen öffentlich institutionalisierter Form, dem Slam - nicht unähnlich. Gerade der für Asylbewerber besonders wichtigen Pflege von Wirkungsstrategien im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung, kann durch die erprobten und vielfältigen Mittel des Theaters besonders grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wer, wenn nicht Schauspieler würde sich mit der Herstellung von Effekten wie Glaubwürdigkeit, Sympathie oder Empathie auskennen? Das bedeutet, dass wir uns selbst einer Befragungssituation aussetzen und uns als Spezialisten, die wir sind zur ständigen Optimierung von Wirkungsstrategien ermuntern. Ein Slam. Was wir dabei zu erzählen haben, haben wir - genau wie die Asylsuchenden - selbst erlebt. Wir besuchen die Institutionen des Schweizerischen Asylverfahrens, sprechen mit Vertretern der Bürokratie und lassen uns das System erklären. Diesen Wissensschatz geben wir auf der Bühne wieder. Als Glaubwürdigkeitsinstanzen dienen uns ebenda echte Asylsuchende, sowie echte Bürokraten, Menschen also, die besser wissen von wir zu sprechen versuchen.

Insgesamt stellt sich in der Aufführungssituation also jene Befragungssituation selbst wieder her, von der überhaupt und gerade die Rede ist. Die Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema wird nicht dargestellt, sondern geführt.

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Weitere Fotos zum Stück



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